Integration kommt nicht von allein

LSBTI-Lebensweisen muss verpflichtender Inhalt in den Integrationskursen sein

(10.02.2016) Statt Integration von Flüchtlingen nur einzufordern, müssen endlich konkrete Handlungen und Angebote folgen. Deutschland kann und muss Integration gestalten. Neben der Integration in den Feldern Arbeitsmarkt, Schulpolitik und Gesundheit ist ein unabdingbarer Aspekt von Integration auch das gesellschaftliche Miteinander und das Sichern eines dem Grundgesetz verpflichteten Zusammenlebens. Viele Flüchtlinge kommen etwa aus Ländern, in denen gleichgeschlechtliche Beziehungen strafrechtlich verboten sind, in denen Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) staatlich und gesellschaftlich massiv verfolgt werden. Das muss auch bei den Integrationsangeboten Berücksichtigung finden.

Sämtliche Programme zur Integration sowie Materialien zum Spracherwerb sind auch darauf auszurichten, dass sie für Demokratie, Vielfalt und individuelle Freiheitsrechte werben und damit stärken. In diesem Rahmen sind auch die Lebenswirklichkeiten von LSBTI zu thematisieren und Respekt dafür ausdrücklich zu fordern. Es ist Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass das Wissen über die Rechte und die Situation von LSBTI endlich verpflichtendes Thema in diesen Integrationskursen wird. Bislang ist dem nicht so bzw. hat man sich ausdrücklich geweigert, dieses Thema in den Curricula zu verankern. Zugleich ist sicherzustellen, dass diese Kurse von interkulturell qualifiziertem und auch für LSBTI sensibilisiertem Personal durchführt werden. Integration kann zudem nicht ausschließlich auf ehrenamtliches Engagement abgewälzt werden. Daher müssen die finanziellen Mittel für die Integrationsarbeit erheblich aufgestockt werden.

Es gilt außerdem, den Zugang und ein ausreichendes Angebot zu sichern, damit alle Flüchtlinge diese Kurse überhaupt wahrnehmen können. Bislang stehen diese Angebote wenn überhaupt nur für anerkannte Flüchtlinge zur Verfügung. Oftmals sind dann bereits Monate, wenn nicht Jahre vergangen, in denen die Flüchtlinge auf eine Entscheidung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) warten mussten. Diese Zeit ist bislang eine verlorene Zeit für Integration. Der LSVD fordert daher, dass diese Angebote auch für Geduldete und Asylsuchende zur Verfügung stehen.

Die Behörden müssen zudem alle Anstrengungen unternehmen, damit Flüchtlinge keine Gewalt erfahren, ob außer- oder innerhalb der Unterkünfte. Menschenwürdige Unterkünfte mit einem ausreichenden Betreuungsschlüssel würden zudem allen Flüchtlingen zugutekommen und zu einem weniger angespannten Umfeld führen. Für die Unterbringung sind die Bundesländer und die Kommunen verantwortlich. Die Träger der Einrichtungen müssen verbindliche Mindeststandards einhalten, etwa verbindliche und kommunizierte Hausordnungen in mehreren Sprachen, die ein rücksichtsvolles und diskriminierungsfreies Zusammenleben einfordern. Als Orientierung sollten dabei die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz genannten Merkmale dienen. Dazu sollte auch ein LSBTI-inklusives Gewaltschutzkonzept gehören mit dementsprechend sensibilisiertem Personal. Bei einer Gefährdungslage bzw. Gewaltvorfällen müssen Schutzräume zur Verfügung stehen und eine zügige Verlegung in Einzelzimmer oder andere Unterkünfte ermöglicht werden. Straftaten müssen geahndet werden.

Der erste Eindruck entscheidet. Die Bereitschaft zur Integration und Identifikation ist zudem maßgeblich von der Erfahrung einer menschenrechtskonformen Flüchtlingspolitik und von den Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe abhängig.

Gleichzeitig müssen wir anmerken, dass auch in Deutschland gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt – völlig unabhängig von der aktuellen Flüchtlingssituation weder verwirklicht noch gesichert sind. Vielmehr ist die gegenwärtige Diskussion oft von Doppelmoral und Scheinheiligkeit geprägt. Homophob sind offenbar immer die anderen.

Die beste Möglichkeit, Flüchtlingen den Anspruch von LSBTI auf Respekt zu vermitteln, wäre auch in den Deutschland endlich die volle rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung, insbesondere durch Öffnung der Ehe, zu verwirklichen. Es ist unglaubwürdig, wenn lautstark vor einer aufgrund der Flüchtlinge angeblich ansteigenden Homo- und Transphobie gewarnt wird, aber homo- und transphobe Diskriminierungen im deutschen Recht verteidigt werden. Gegen diese Instrumentalisierung von Minderheiten erheben wir Einspruch.

Die Akzeptanz von LSBTI ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sich auch an die Gesamtgesellschaft richten muss. Dazu gehören neben der längst überfälligen Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare unter anderem der von der Regierungskoalition versprochene Nationale Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie bzw. entsprechende Aktionspläne in allen Bundesländern. Die erschreckenden polemischen und verleumderischen Widerstände sowohl auf politischer als auch gesellschaftlicher Ebene gegen eine Pädagogik der Vielfalt machen nur allzu deutlich, dass so manche gesellschaftlichen Kräfte in Deutschland in Sachen Respekt und Akzeptanz Nachholbedarf haben.

Gegenwärtig erstellt eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Thema „Integration von Flüchtlingen“ bis Ende Februar erste Eckpunkte und bis Ende März ein Konzept. Mit der Bitte um Weiterleitung an die beteiligten Bundesministerien und Bundesländer hat der Lesben- und Schwulenverband (LSVD)in einem Brief an Gesamtkoordinator für Flüchtlingspolitik Peter Altmaier Integrationskonzepten und -maßnahmen in seinem Tätigkeitsfeld übermittelt.


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LSVD-Bundesverband
Hauptstadtbüro
Pressesprecher
Markus Ulrich

Homosexuellen-Verfolgerstaaten sind keine „sicheren Herkunftsländer“

LSVD protestiert gegen Gesetzentwurf zu Algerien, Marokko und Tunesien

Zum Gesetzesvorhaben der Bundesregierung, die Länder Algerien, Marokko und Tunesien als „sichere Herkunftsstaaten“ einzustufen, erklärt Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Die geplante Einstufung von Algerien, Marokko und Tunesien zu so genannten „sicheren Herkunftsstaaten“ ist eine menschenrechtliche Bankrotterklärung. In allen drei Ländern gibt es politische Verfolgung, sind nicht zuletzt Schwule und Lesben massiven Verfolgungen ausgesetzt. In Algerien, Marokko und Tunesien ist einvernehmliche Sexualität unter Erwachsenen gleichen Geschlechts mit hohen Gefängnisstrafen bedroht.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) protestiert dagegen, dass die Bundesregierung mit ihren Vorstoß die weltweiten Bemühungen um die Entkriminalisierung von Homosexualität mit Füßen tritt. Wer Algerien, Marokko und Tunesien zu „sicheren Herkunftsstaaten“ erklärt, rechtfertigt die Verfolgung Homosexueller. Er macht sich mitschuldig, dass dort Menschen politisch verfolgt, eingesperrt und misshandelt werden, nur weil sie anders lieben.

Es ist unfassbar, dass die SPD die Hand dazu reicht. Wir erwarten von SPD, Linken und Bündnis 90/Die Grünen, dass sie die Einstufung von Algerien, Marokko und Tunesien zu „sicheren Herkunftsstaaten“ spätestens im Bundesrat stoppen. Von CDU/CSU, die die politische Hauptverantwortung tragen für die frühere menschenrechtswidrige Strafverfolgung von Homosexualität in der Bundesrepublik, ist hier offenbar nicht zu erwarten, dass ihnen die Grundrechte Homosexueller irgendetwas bedeuten.

Das Bundesverfassungsgericht verlangt klar und eindeutig: „Für die Bestimmung eines Staates zum sicheren Herkunftsstaat muss Sicherheit vor politischer Verfolgung landesweit und für alle Personen- und Bevölkerungsgruppen bestehen“ (BVerfGE 94, 115). Für die Bevölkerungsgruppe der Lesben und Schwulen besteht diese Sicherheit in Algerien, Marokko und Tunesien in keiner Weise. Denn die homophoben Strafgesetze werden auch angewandt, wie selbst die Bundesregierung einräumen musste.

Verbunden mit dem ebenfalls empörenden Asylrechtseinschränkungen im „Asylpaket II“ wie der Einführung von Schnellverfahren und der Lagerpflicht für Schutzsuchende aus so genannten „sicheren Herkunftsstaaten“ wird damit das Asylrecht zur Unkenntlichkeit ausgehöhlt.

Das ist eine perfide Instrumentalisierung der Ereignisse in der Silvesternacht in Köln. Sexistischen Übergriffen muss mit Prävention, guter Polizeiarbeit und konsequenter Strafverfolgung entschieden entgegengetreten werden und nicht damit, dass ausgerechnet Menschen, die vor sexistischer und homophober Verfolgung zu uns flüchten, der Schutz abgeschnitten wird.

Hintergrund
www.queer-refugees.de

Urteil „sichere Herkunftsstaaten“ des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE 94/155)

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LSVD-Bundesverband
Hauptstadtbüro
Pressesprecher
Markus Ulrich

 

Eine moderne Familienpolitik diskriminiert nicht

Gleichstellung beim Zugang zu reproduktionsmedizinischen Einrichtungen erforderlich

(08.01.2016) Angesichts eines Erlasses aus dem Bundesfamilienministerium, mit dem alle unverheirateten Paare zukünftig genau wie Ehepaare eine finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, sollten sie bei ihrem unerfüllten Kinderwunsch eine reproduktionsmedizinische Einrichtung in Anspruch nehmen, erklärt Inken Renner, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD):

Familienministerin Manuela Schwesig betont, dass eine moderne Familienpolitik allen Paaren die Erfüllung eines Kinderwunsches ermöglichen muss. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kritisiert, dass letztlich „alle Paare“ hier jedoch wieder nur „heterosexuelle Paare“ meint. Die Erweiterung der Beihilfe für reproduktionsmedizinische Maßnahmen auch auf eheähnliche Paare beschränkt sich nämlich auf homologe Kinderwunschbehandlungen. Lebenspartnerinnen scheiden damit aus, weil bei ihnen nur heterologe Kinderwunschbehandlungen möglich sind. Frauenpaare, die Eltern werden wollen, bleiben außen vor. Das kann mit moderner Familienpolitik wohl nicht gemeint sein.

Der LSVD fordert, die Gleichstellung verheirateter, verpartnerter und auf Dauer in einer Lebensgemeinschaft lebender Paare bei der Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenversicherung für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung wie es etwa in Belgien, den Niederlanden, den skandinavischen Ländern, Großbritannien, Spanien und Frankreich bereits Gang und Gäbe ist. Das kann das Familienministerium zwar nicht auf dem Erlassweg durchsetzen, demnächst wird im Bundestag jedoch ein entsprechender Gesetzesentwurf von Bündnis 90 / Die Grünen beraten. Die Große Koalition hat versprochen rechtliche Regelungen, die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften schlechter stellen, zu beseitigen.

Eine moderne Familienpolitik diskriminiert nicht. Wir messen die Regierung letztlich nicht an Versprechungen, sondern an Taten.

Hintergrund

www.lsvd.de/lebensformen/lsvd-familienseiten/beratungsfuehrer-regenbogenfamilien.html

www.lsvd.de/recht/andere-rechtsgebiete/kuenstliche-befruchtung.html

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Markus Ulrich

 

 

 

Angekommen – Flüchtlinge erzählen“

Heißer Kopf, kaltes Herz

Der erste Satz, den wir auf Deutsch gelernt hatten, war: „Wir sind eine Familie. Wir sind Schwule.“ Das neue Leben, es kommt in kleinen Schritten.

Polizisten halten Menschen gewaltsam fest, sie hocken auf dem Boden

Anders sein in Russland wird nicht goutiert: Eine Schwulenparade wurde 2009 gewaltsam aufgelöst.  Foto: dpa

Nachts um drei im Dezember 2014 auf dem leeren Bahnhof von Gießen: Neben mir sitzt mein wichtigster Mensch auf Erden, er ist heiß, wie ein Ofen und kriegt keine Luft. Ich kann ihm nicht helfen. Gerade sind wir aus einem Flüchtlingslager geworfen worden. Mit den Worten: „Nun lebt ihr in Bad Homburg und habt hier nichts mehr zu suchen.“

Kurz davor war ich mit Sascha aus Russland nach Deutschland geflohen. Wir strandeten in Gießen. In einem umzäunten Lager. Wache, Kontrollen, Alkoholverbot. Trotzdem besoffen sich die Insassen allabendlich und grölten nächtelang Lieder.

 

Das Lager war überfüllt. Mehr als ein Dutzend Menschen übernachteten in einem Zimmer. Die Aufteilung verlief nach religiöser Zugehörigkeit. Sexuelle Orientierung war kein Thema. Der erste Satz, den wir auf Deutsch gelernt hatten, war: „Wir sind eine Familie. Wir sind Schwule.“ Diesmal funktionierte er nicht. Wir wurden in einem Zimmer zusammen mit zwei Flüchtlingen aus Russland untergebracht – Heteros und Muslime. Zum Glück verlief alles friedlich, weil sie genauso wie wir einem Land entflohen waren, wo Menschenrechte nur Luftblasen waren. In solchen Situationen versuchen die Menschen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, statt Unterschiede.

Aus Erzählungen wussten wir: Es hätte auch anders kommen können. Viele Homos aus Russland werden in Flüchtlingsheimen überfallen oder sogar vergewaltigt. Es gibt welche, die ihre Orientierung verschweigen. Oft rieten Sozialmitarbeiter, unsere Beziehung nicht zu zeigen. Das war unser erster Kulturschock. Wir hatten ja gerade ein Land verlassen, wo man das auch von uns forderte und viele nach unserem Tod lechzten.

Der Alltag im Heim war kein Zuckerschlecken. Eine Mensa für 5.000 Bewohner mit Schlangestehen, Rangeleien, Zwist. Gleich am ersten Tag versuchte ich ein paar Frechlinge, die sich vorgedrängt hatten, zurechtzuweisen und wurde daraufhin bedroht. Nachts wurden wir regelmäßig von Feuerwehrsirenen geweckt, weil jemand rauchte oder aus Langeweile Alarm auslöste. Hochschrecken, etwas überziehen, raus auf die Straße.

Der Wächter war unnachgiebig

In einer solcher Nacht Anfang Dezember erkältete sich Sascha. Wir hatten gerade die Erlaubnis erhalten, zu einem Anwaltstermin nach Berlin zu fahren, als am Freitag davor, eine halbe Stunde vor Schließung der Verwaltung eine neue Liste ausgehängt von Leuten, die umziehen sollten. Unsere Namen standen darauf. Leider sollte der Transfer an dem Tag sein, wo wir beim Anwalt in Berlin hätten sein sollen. Wir rannten in die Verwaltung. Der Wächter war unnachgiebig. Bis Montag war im Heim alles dicht.

Vor Aufregung schnellte Saschas Fieber hoch. Am Wochenende hatte im Lager kein Arzt Dienst. Uns war klar, wenn Sascha ins Krankenhaus käme, würden wir weder den Anwaltstermin schaffen noch den Transfer nach Bad Homburg, so hieß unser Zielort. Ich holte Medikamente in der Stadt und verbrachte das Wochenende damit, die acht Treppen zwischen unserem Zimmer und der winzigen Küche hin und her zu flitzen. Dort stand der einzige Wasserkocher für 1.500 Bewohner.

Auf der Rückfahrt aus Berlin hatte Sascha hohes Fieber und redete wirr. Mir war klar, dass er zum Arzt sollte, aber auch dass wir unsere medizinische Versichertenkarten erst nach der Transfer nach Bad Homburg bekommen würden.

In einer 16-teiligen Serie haben wir Flüchtlinge gebeten, uns das zu erzählen, was ihnen jetzt gerade wichtig ist. Wie erleben sie Deutschland, worauf hoffen sie, wie sieht ihr Alltag aus? In ihren Ländern waren sie Journalisten, Autoren, Künstler. Sie mussten Syrien verlassen, Russland, Aserbaidschan oder Libyen. Jetzt sind sie in Deutschland. Was sie zu sagen haben, lesen Sie im Oktober täglich auf taz.de. Alle Geschichten gebündelt gibt es in der taz.am wochenende vom 2./3./4. Oktober, erhältlich am eKiosk.

Todmüde kamen wir im Lager an. Auf unseren Betten schnarchte schon jemand anderes. Wir packten unsere Sachen. Ich bat die Wächter, meinem kranken Freund für ein paar Stunden irgendein Bett zur Verfügung zu stellen, er sagte, das Lager sei nicht mehr zuständig für uns.

So landeten wir nachts auf dem Gießener Bahnhof. Um vier bekamen wir Gesellschaft. Eine Frau, die Englisch sprach und uns geduldig zeigte, wie man Tickets am Automaten kauft. Sie bleibt für mich für immer ein Symbol für die offenen und hilfsbereiten Deutschen. Mit jedem Monat unseres Aufenthalts kamen neue solche Menschen hinzu.

Gleich am ersten Tag in Bad Homburg bekamen wir Versichertenkarten. Sascha hatte Bronchitis, aber nach ein paar Tagen Behandlung wurde er wieder fit.

Mittlerweile sind wir bereits ein Jahr in Deutschland. Aber noch immer warten wir auf den Termin, wo man uns nach den Gründen für unseren Asylantrag befragt. Die Ungewissheit geht mit der Einschränkung unserer Rechte auf Arbeit, auf Wohnung oder auch Arztbesuche einher. Aber wir wissen ganz genau, dass diese Schwierigkeiten nicht von Dauer sein werden. Hauptsache, wir sind dabei, in kleinen Schritten ein neues Leben zu erproben. Eines, wo uns keiner mehr sagen kann, dass wir es nicht wert sind zu leben.

Aus dem Russischen übersetzt von Irina Serdyuk

TAZ. de

 

Offener Brief an Prälat Jüsten

Aus Anlass des Parlamentarischen Kamingesprächs, das Prälat Jüsten heute mit dem Vorsitzenden der nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Kaigama, über die prekäre Lage in Nigeria führen wird.

29.09.2015

Sehr geehrter Herr Prälat Dr. Jüsten,

am Mittwoch, 30.9., werden Sie ein Parlamentarisches Kamingespräch mit dem Vorsitzenden der nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Kaigama, über die prekäre Lage in Nigeria führen.

Wie Sie wissen, wird in Nigeria Homosexualität strafrechtlich verfolgt. Mit einem 2014 neu beschlossenen Gesetz wurde die Verfolgung homosexueller Menschen noch verschärft – Menschen, die sich als homosexuell zu erkennen geben, oder die im Ausland eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, sind in Nigeria von hohen Haftstrafen bedroht.

Obwohl dieses Gesetz ein Anschlag auf die Menschenrechte ist und Denunzianten und Gewalttätern einen Freibrief ausstellt, hat die Nigerianische Bischofskonferenz im Februar 2014 es als „Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet.

Am 8.7.2015 warnte die Nigerianische Bischofskonferenz in einer Erklärung vor den wachsenden Gefahren des „homosexualistischen Irrweges“ des Westens; westliche Staaten öffneten innerhalb ihrer
Gesellschaft die Tür zur „kulturellen Fäulnis homosexueller Subkultur“.

Ihr Gast, der an anderer Stelle erklärt hat, dass die nigerianische Kirche homosexuelle Menschen nicht diskriminieren wolle, begrüßte gleichwohl dieses Gesetz auch persönlich.

Diese Haltung widerspricht einer Erklärung der Glaubenskongregation von 1986, in der es wörtlich heißt: „Es ist nachdrücklich zu bedauern, dass homosexuelle Personen Objekt übler Nachrede und gewalttätiger Aktionen waren und weiterhin noch sind. Solche Verhaltensweisen verdienen, von den Hirten der Kirche verurteilt zu werden, wo immer sie geschehen.“ Und erst recht widerspricht eine solche Haltung Äußerungen von Papst Franziskus, z. B. dem Satz „Wer bin ich, ihn zu verurteilen.“

Wir bitten Sie deshalb ebenso herzlich wie dringend, Ihren Gast auch auf die gefährliche Situation von LGBTI-Personen in seiner Heimat anzusprechen und ihn aufzufordern, die Menschenrechte und Menschenwürde auch all jener zu achten, die nicht seinen Vorstellungen entsprechend leben, und dies öffentlich zu tun.

Mit freundlichen Grüßen

Henny Engels
LSVD-Bundesvorstand 

 

#EheFürAlle im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz - Lackmustest für den Bundestag?

Manfred Bruns, Bundesanwalt a.D. und Mitglied des LSVD-Bundesvorstandes, wird heute im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Stellung beziehen

(28.09.2015) Nachdem der Bundesrat am Freitag den Gesetzesentwurf zur Öffnung der Ehe an den Bundestag zur Beratung und Entscheidung verwiesen hat, erreicht heute die #EheFürAlle den Deutschen Bundestag. Im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz wird der Bundesanwalt a.D. Manfred Bruns für die Fraktion Die Linke zu mehreren Gesetzesentwürfen Stellung nehmen. Dazu erklärt Axel Hochrein, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Insgesamt werden heute sieben Sachverständige zu vier Gesetzesentwürfen Stellung beziehen. Die  Gesetzentwürfe der Fraktion Die Linke (18/8), der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (18/5098) und ein Antrag der Linken (18/5205) sprechen sich für die endgültige Öffnung der Ehe aus. Ferner wird auch der Entwurf der Bundesregierung für ein Gesetz zur Bereinigung des Rechts der Lebenspartner (18/5901) auf der Agenda stehen, welches die Ungleichbehandlung von Ehe und Lebenspartnerschaft fortzuschreiben versucht.

Bei der heutigen Anhörung werden die Sachverständigen der Fraktion CDU/CSU und die Vertreter_in der katholischen Bischöfe natürlich den Standpunkt der CDU/CSU bestätigen und sich gegen die Öffnung der Ehe aussprechen. Die durch die SPD-Bundestagsfraktion benannten Expert_innen werden – ebenso wie die anderen Sachverständigen –, die Position der Grünen und der Linken unterstützen und deutlich machen, dass es keine sachlichen Argumente gibt, die die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren weiter legitimieren würden.

Eine Ausschussmehrheit, die die Öffnung der Ehe unterstützt, gilt somit als ebenso sicher, wie die Mehrheit der Sachverständigen. Einmal mehr beweist diese Anhörung um was es bei der Eheöffnung geht: um Sachverstand statt Bauchgefühl und Gleiche Rechte statt Diskriminierung.

Wenngleich diese Anhörung keinen Einfluss auf die Haltung der CDU/CSU haben wird, die die #EheFürAlle weiterhin ablehnen und nicht bereit sein wird, die Abstimmung im Bundestag frei zu geben, damit auch die Abgeordneten der Koalition nach ihrem Gewissen entscheiden können, so bestätigt sie doch, dass die Öffnung der Ehe dringend geboten ist und momentan durch argumentationslose, ideologische Blockade der Union verhindert wird.

 

Der Bundesrat stimmt für die #EheFürAlle

Die Abgeordneten im Bundestag müssen nun ihrem Gewissen folgen dürfen

(25.09.2015) Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, der die Ergänzung des §1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches vorsieht und somit klarstellt,  dass auch gleichgeschlechtliche Paare eine Ehe eingehen können. Dazu erklärt Axel Hochrein, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Der Bundesrat hat mit seiner heutigen Entscheidung ein wichtiges Signal zur endgültigen Beendigung der Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren in Deutschland gesetzt. Der Entwurf, der heute den Bundesrat passierte, wird nun dem Bundestag zur Beratung und Entscheidung weitergeleitet.

Der LSVD hat bereits in den vergangenen Wochen die Fraktionen von SPD und CDU / CSU gebeten, bei den kommenden Abstimmungen über die #EheFürAlle ihrem freien Gewissen zu folgen. Die Öffnung der Ehe darf nicht weiter dem Fraktionszwang und dem Bauchgefühl von Frau Merkel zum Opfer fallen. Die Bundesregierung ist jetzt am Zug und muss dafür Sorge tragen, dass sie ihr im Koalitionsvertrag angekündigtes Ziel, die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren zu beenden, endlich einlöst. Es ist der Koalition mit ihrer großen Parlamentsmehrheit unwürdig, dass sie erneut darauf wartet, dass Karlsruhe für sie entscheidet.

Die Antworten der Bundestagsabgeordneten auf unseren Brief hin zeigen deutlich, dass eine parlamentarische Mehrheit für die Eheöffnung, in allen Bundestagsfraktionen möglich ist.

Die Regierungsparteien müssen endlich den Weg gehen, den viele Bürger_innen in unserem Land schon gegangen sind. Die Öffnung der Ehe ist schon lange in den Herzen und Köpfen der Bevölkerung angekommen. Nun muss auch die Politik endlich zeigen, dass sie für die Gleichstellung aller Menschen und nicht für das Bauchgefühl einzelner steht. Nach 14 Jahren Lebenspartnerschaftsgesetz ist es Zeit, den Anschluss an die Entwicklung anderer europäischer Staaten wieder zu finden. Es genügt nicht, dass Deutschland auf dem Brüsseler Parkett nur dann eine führende Rolle spielen möchte, wenn es um die Schuldenkrise geht. Die Bundesregierung muss jetzt ein deutliches Zeichen dafür setzen, dass sie auch Vorreiter und Beispiel für andere Staaten sein will und sein kann, wenn es um die Menschenrechte und den Kampf gegen Diskriminierung und Ungleichbehandlung im eigenen Land geht. Mit der Fortschreibung der Diskriminierung durch die Beibehaltung zweier Institutionen, nämlich der Ehe und der Lebenspartnerschaft, zeigt Frau Merkel nur, dass auch in unserem Land die Ungleichbehandlung von Menschen, die gleichgeschlechtlich lieben, noch zur Staatsräson gehört.

Wir appellieren an Sie Frau Merkel: „Öffnen Sie die Ehe“ – jetzt!

 

 

Anpassung von ELSTAM an die Gleichstellung der Lebenspartner/innen mit Ehegatten im Einkommensteuerrecht

Wichtiger Hinweis für alle Lebenspartner und Lebenspartnerinnen, die die Steuerklasse I behalten möchten oder die ihre Steuerklassen haben ändern lassen

(18.08.2015) Nach § 2 Abs. 8, 38b Abs. 1 Nr. 4 EStG (Link: http://www.gesetze-im-internet.de/estg/) gehören Lebenspartner/innen genauso wie Ehegatten in die Steuerklasse IV. Gleichwohl werden Lebenspartner/innen im ELSTAM-System der Finanzverwaltung noch immer mit der Steuerklasse I für Ledige geführt, obwohl die gesetzliche Gleichstellung der Lebenspartner/innen mit Ehegatten schon im Juli 2013 in Kraft getreten ist. Die Steuerverwaltung hat es noch immer nicht geschafft, ihre EDV an die Gleichstellung anzupassen. Woran das liegt, kann ich nicht beurteilen. Neuerdings wird behauptet, die Finanzverwaltung müsse das Inkrafttreten des Bundesmeldegesetzes am 01.11.2015 abwarten, dann werde auch ELSTAM entsprechend umgestellt.

Wie die Finanzämter bisher verfahren sind, wenn Lebenspartner/innen beantragt haben, ihre Steuerklasse in III / V oder in IV/IV mit Faktor zu ändern, können Sie hier nachlesen: www.lsvd.de, Menüpunkte -> Recht -> Ratgeber - Steuerrecht -> Lohnsteuerklassen -> 4.3. Verfahren der Finanzämter.

Danach musste das Finanzamt den ELSTAM-Abruf sperren und den Lebenspartner/innen für ihre Arbeitgeber Bescheinigungen über die geänderten Steuerklassen übersenden.

Lebenspartner und Lebenspartnerinnen, die verhindern wollen, dass ihre Arbeitgeber über die Steuerklassen erfahren, dass sie verpartnert sind, haben nach § 38b Abs. 3 EStG die Möglichkeit, beim Finanzamt zu beantragen, dass sie die Steuerklasse I für Ledige bei der automatischen Umstellung des ELSTAM-Systems behalten, siehe www.lsvd.de, Menüpunkte -> Recht -> Ratgeber - Steuerrecht -> Lohnsteuerklassen ->  7. Geheimhaltung der Verpartnerung vor dem Arbeitgeber. Einen solchen Antrag haben viele Lebenspartner gestellt.

Das Bundesministerium der Finanzen hat dem LSVD mit Schreiben vom 12.02.2014 (Link: http://www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokumente/Recht3/BMF-ELSTAM-Antwort-140212.pdf) zugesichert, dass bei der Umstellung des ELSTAM-Systems die beantragten Steuerklassen beibehalten werden. Aufgrund meiner schlechten Erfahrungen mit den Finanzämtern bezweifele ich aber, ob das tatsächlich klappen wird. Alle Betroffenen sollten sich deshalb schon jetzt bei https://www.elsteronline.de/ anmelden und die Abfrage von ELSTAM freischalten lassen, damit Sie nach der Umstellung nachprüfen können, ob Ihre Steuerklassen dort richtig angezeigt werden.

Wenn die Umstellung erfolgt ist, werde ich darauf mit einem Newsletter noch einmal hinweisen.
Ich nehme an, dass die Finanzverwaltung für die Umstellung ihres ELSTAM-Systems nicht mehr als zwei Jahre gebraucht hätte, wenn die Gleichstellung Ehegatten betroffen hätte.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Bruns
E-Mail: recht@lsvd.de

Menschenrechte für Lesben und Schwule – Deutschland fällt international weiter zurück

Entscheidungen in Mexiko und Österreich

(13.08.2015) Anlässlich der Ankündigung des österreichischen Justizministers, alle Verurteilungen wegen Homosexualität aufzuheben, sowie des Urteils des mexikanischen Verfassungsgerichts, dass ein Adoptionsverbot für Lesben und Schwule verfassungswidrig ist, erklärt Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD):

Der Lesben- und Schwulenverband begrüßt die Entscheidungen in Mexiko und Österreich. Wir fordern die Bundesregierung und Kanzlerin Merkel dazu auf, sich daran ein Beispiel zu nehmen. In Deutschland müssen Lesben und Schwulen endlich gleiche Rechte zugestanden und alle für einen Rechtsstaat schändlichen Urteile nach § 175 wegen homosexueller Handlungen aufgehoben werden. Dieses Unrecht dauert schon viel zu lange. Was die Verwirklichung von gleichen Rechten, Vielfalt und Respekt für Lesben und Schwule angeht, wird Deutschland im europaweiten Vergleich inzwischen nach hinten durchgereicht.

Das mexikanische Verfassungsgericht hat gestern klargestellt, dass ein Adoptionsverbot für gleichgeschlechtliche Paare gegen die Verfassung verstößt. Seit Juni 2015 gibt es dort bereits landesweit die #EheFürAlle. In Deutschland wird eine vollständige Gleichstellung im Adoptionsrecht sowie die Eheöffnung für Lesben und Schwule von CDU / CSU und Kanzlerin Merkel blockiert. Argumente fehlen, stattdessen wird diese Diskriminierung mit Bauchgefühlen und Ressentiments verteidigt. Wir wollen keine Sonderrechte, sondern Gleichstellung. „Unterschiede zwischen Ehe und Eingetragener Lebenspartnerschaft, welche die ungleiche Ausgestaltung der Adoptionsmöglichkeiten rechtfertigen könnten, bestehen nicht“- das hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil, die Gleichstellung bei der Sukzessivadoption bereits klargestellt. Das gilt auch für das gemeinschaftliche Adoptionsrecht. Die Regierung Merkel setzt sich darüber jedoch kaltschnäuzig hinweg und möchte sich die Verfassungsfeindlichkeit ihrer Familienpolitik lieber erneut vom Bundesverfassungsgericht bestätigen lassen.

In Österreich hat Justizminister Brandstetter gestern angekündigt, alle Verurteilungen wegen Homosexualität aufzuheben. In Deutschland dagegen sind die Opfer homophober Strafverfolgung nach 1945 weder rehabilitiert noch entschädigt. Dass der Nazi-§175 in der Bundesrepublik Deutschland
20 Jahre lange unverändert in Kraft blieb, dass auch im demokratischen Staat Menschen im Gefängnis landeten, nur weil sie anders liebten, das ist ein monströser Schandfleck unseres Rechtsstaates. Die antihomosexuellen Strafbestimmungen waren von Anfang an grundgesetzwidrig. Die auf verfassungswidrigen Grundlagen ergangenen Urteile können und müssen aufgehoben werden. Und zwar schnell. Damit Verfolgten noch zu ihren Lebzeiten Gerechtigkeit widerfährt. Es ist keine Schwächung des Rechtsstaats, wenn er seine Fehler korrigiert, ganz im Gegenteil. Es kostet ihn nichts, es kostet nur Überwindung.

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Bundesrat soll Ehe für alle voranbringen

LSVD appelliert an die Bundesländer

 

Die Bundesregierung will weiter am Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare festhalten. Dazu erklärt Axel Blumenthal, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD):
 
Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hat sich mit einem Appell an die 16 Regierungschefinnen und -chefs der Länder gewandt, über den Bundesrat für die Öffnung der Ehe initiativ zu werden. Wenn die Bundesregierung kläglich versagt und am diskriminierenden Eheverbot festhält, sind jetzt andere Verfassungsorgane gefragt. Der Bundesrat soll die Sache in die Hand nehmen. Er kann einen bedeutsamen Beitrag dazu leisten, dass Deutschland wieder Anschluss findet an die Entwicklung in anderen demokratischen Staaten.
 
Der Bundesrat hatte bereits 2013 einen Meilenstein gesetzt und als erstes deutsches Verfassungsorgan einen Gesetzentwurf zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dass der Bundesrat dieses Anliegen wieder aufgreift und erneut einen Gesetzentwurf auf den Weg bringt, der im Bürgerlichen Gesetzbuch klarstellt, dass zwei Personen gleichen Geschlechts ebenfalls eine Ehe eingehen können.
 
Nicht zuletzt das Referendum in Irland hat gezeigt, dass die „Ehe für alle“ zunehmend und gerade bei jungen Menschen als eine zentrale Gerechtigkeitsfrage verstanden wird und als ein Gradmesser, ob eine Gesellschaft allen Menschen gleiche Rechte, Anerkennung und Teilhabe gewährt. Es ist eine Schande, dass die Große Koalition aus ideologischen Blockaden hier weiter abseits steht, obwohl auch in Deutschland die große Mehrheit der Bevölkerung für die Gleichstellung eintritt.
 
Bundesratsbeschluss zur Öffnung der Ehe von 2013

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Rainbowflash Sachsen 2015

Sachsen macht sich stark für gleiche Rechte und Vielfalt –
Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT)

Pressemitteilung LSVD Sachsen 05 05 2015

Am 17. Mai eines jeden Jahres lassen Menschen auf der ganzen Welt Luftballons in den Himmel steigen und erinnern so an den Tag, an dem Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestrichen wurde. Seitdem gilt sie offiziell nicht mehr als Krankheit. Anlässlich des IDAHOT 2015 erklärt Tom Haus, Sprecher des LSVD Sachsen:

Seit 2010 koordiniert der LSVD Sachsen die zahlreichen Rainbowflashs im Bundesland Sachsen. Die Flashs rund um den Erdball sind ein wichtiges Zeichen der tiefen Verbundenheit mit den Menschen, die immer noch in über 70 Staaten der Erde wegen ihrer Liebe zum selben Geschlecht und/oder ihrer sexuellen Identität diskriminiert, verfolgt und kriminalisiert werden. Homosexuellen Männern droht immer noch in fünf Staaten/Regionen der Erde die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Liebe.

Der LSVD Sachsen will besonders auch an diesem Tag daran erinnern, dass wir uns heute wie morgen den Kräften mutig und entschlossen entgegenstellen müssen, die unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft mit rechtspopulistischer und religiös-fundamentalistischer Ideologie unterminieren wollen. Wir wollen dazu aufrufen all jenen die Stirn bieten, die unterschiedliche Lebensentwürfe nicht ertragen können und Vielfalt nur als Angriff, aber nie als Bereicherung verstehen. Von Novosibirsk bis New York, von Paris bis Vladivostok, von Peking bis Kapstadt und eben auch in Sachsen, in Pirna, Plauen, Chemnitz, Leipzig, Dresden, Schneeberg und Torgau wollen wir gerade am Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie alle jenen widersprechen, die verbissen und wütend das eigene Weltbild zum Maßstab erheben und im Namen von Ehe und Familie, Religion und Abendland gegen all diejenigen zu Felde ziehen, die (den eigenen) rassistischen und homophoben Vorstellungen widersprechen.

Am 17.Mai 2015 wollen wir zusammen mit vielen Partner*innen und Unterstützer*innen und hunderten Luftballons mit Botschaften gegen Hass und Ausgrenzung klar machen, dass Gewalt und Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender keinen Platz in einer demokratischen und bunten Gesellschaft haben. Wir machen uns in Sachsen stark für gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt.

Rainbowflash 2013

Veranstaltungsorte Rainbowflash 2015 in Sachsen – Ballonstart 19:00 Uhr

Chemnitz:           Am Roten Turm in der Zeit zwischen 17:30 Uhr und 20:00 Uhr.

Dresden:             Am Goldenen Reiter auf dem Neustädter Markt
.                            in der Zeit zwischen 17:30 Uhr und 20:00 Uhr

Leipzig:                Auf dem Augustusplatz in der Zeit zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr.

Plauen:                Auf dem Theater Platz in der Zeit zwischen 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr.

Pirna:                   Auf dem Marktplatz in der Zeit zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr

Schneeberg:       Am Fürstenplatz – Kulturzentrum “Goldene Sonne” zwischen 18:00 und 20:00

Torgau:               Markt

Görlitz:                Theatervorplatz Görlitz ab 18:00 Uhr weitere Infos

 

 

Für ein Europa ohne Diskriminierung und Homophobie

Für ein Europa ohne Diskriminierung und Homophobie
Die EU muss auch künftig Menschenrechte von Lesben, Schwulen, bi-, trans- und intersexuellen (LSBTI) schützen

Zur Europawahl erklärt Eva Henkel, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Der Lesben- und Schwulenverband LSVD ruft dazu auf, am 25. Mai wählen zu gehen und die Stimme den Parteien zu geben, die sich glaubhaft und überzeugend für Gleichheit und Akzeptanz von LSBTI in Europa und gegen Homo- und Transphobie einsetzen. Wählerinnen und Wähler stellen so sicher, dass Europaparlament und Europäische Union auch in Zukunft Motor für die Nichtdiskriminierung bleiben, dass die Menschenrechte von LSBTI geschützt werden und dass dem Vormarsch homo- und transphober, minderheitenfeindlicher Parteien Einhalt geboten wird. Die Europawahl ist von großer Bedeutung für die konkrete Lebenssituation der Menschen, besonders auch von Lesben, Schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen in Europa.

Der LSVD hat die im EU-Parlament vertretenen deutschen Parteien zu LSBTI-Themen befragt. Die Fragen konzentrierten sich u.a. auf die Einführung einer EU-weiten Roadmap für Gleichheit, den Ausbau der Antidiskriminierungspolitik, den Schutz der Menschenrechte von LSBTI, auf Maßnahmen gegen homo- und transphobe Hassverbrechen, auf die europaweite Anerkennung neuer Familienformen, die Gewährleistung der Rechte von Trans- und Intersexuellen,  die Bekämpfung von Mobbing an Schulen sowie auf das Thema Aufnahme von verfolgten Homo- und Transsexuellen und Gewährung von Asyl in der EU.

Die Antworten der Parteien spiegeln deutliche Unterschiede wider. Während SPD, Bündnis 90/Die Grünen, die FDP und Die Linke eine große Übereinstimmung mit unseren Erwartungen und Forderungen zeigen, sprechen sich CDU und CSU in vielen Punkten dezidiert gegen eine europäische Antidiskriminierungspolitik aus. Beide Unions-Parteien verweisen wiederholt auf das Subsidiaritätsprinzip, also die Zuständigkeit der Nationalstaaten. Es soll allein den Mitgliedsstaaten überlassen werden, ob sie Maßnahmen gegen Diskriminierung ergreifen oder auch nicht. Beide Parteien sprechen sich für Ungleichbehandlung von heterosexuellen und homosexuellen Partnerschaften aus. Die CDU bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber einer Gleichstellung beim Adoptionsrecht. Die CSU wiederum lehnt ausdrücklich die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ab.

Ablehnend äußern sich CDU/CSU auch mit Blick auf eine LSBTI umfassende Antidiskriminierungsrichtlinie. Die FDP, die sich bislang unter anderem im Koalitionsvertrag 2009 strikt dagegen ausgesprochen hatte, verzichtet zum jetzigen Zeitpunkt auf eine abschließende Bewertung. Auch beim Thema Mobbing an Schulen lehnen CDU, CSU und FDP weitere EU-Maßnahmen ab.

Weitere Informationen

Klaus Jetz
LSVD-Geschäftsführer
Bundesgeschäftsstelle
 

Wieder keine Gleichstellung im Adoptionsrecht

Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Zur Verabschiedung des Gesetzes zur Umsetzung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Sukzessivadoption erklärt Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kritisiert das Gesetz als halbherzig und unzureichend. Der Bundestag hat das von der Bundesregierung vorgelegte Minimalgesetz zur Adoption verabschiedet und damit lediglich das nachvollzogen, was das Bundesverfassungsgericht im Februar letzten Jahres bereits mit sofortiger Wirkung beschlossen hatte: Die Zulässigkeit der Sukzessivadoption für Eingetragene Lebenspartnerschaften.

Dem Geist der Entscheidung des Verfassungsgerichtes entspricht das nicht. Karlsruhe hatte klargestellt: „Unterschiede zwischen Ehe und Eingetragener Lebenspartnerschaft, welche die ungleiche Ausgestaltung der Adoptionsmöglichkeiten rechtfertigen könnten, bestehen nicht.“ Darüber setzt sich die Regierung Merkel frech hinweg. Dagegen hat der LSVD heute mit der Aktion „Grundgesetz statt Bauchgefühl“ vor dem Bundeskanzleramt demonstriert.

Schon heute wollen Zweidrittel der Bürgerinnen und Bürger gleiche Rechte für Lesben und Schwule auch im Adoptionsrecht. Aber die Union setzt auf Diskriminierung: Sie verweigert gleichgeschlechtlichen Paaren pauschal das gemeinschaftliche Adoptionsrecht und schürt damit homophobe Vorurteile.

Aber das letzte Wort ist damit noch nicht gesprochen. Wenn die Politik sich weiterhin weigert, die notwendigen Schritte zur Gleichstellung zu gehen, muss das Bundesverfassungsgericht auch in dieser Frage das Ruder in die Hand nehmen. Wir sehen uns in Karlsruhe!


„Grundgesetz statt Bauchgefühl!“
Berichte und Fotos der heutigen Aktion des LSVD zum gemeinsamen Adoptionsrecht:
http://www.lsvd-blog.de/?tag=kanzleramt


Klaus Jetz
LSVD-Geschäftsführer
Bundesgeschäftsstelle
 

Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo- und Transphobie am 17. Mai 2014 erklärt Axel Hochrein, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Vor 24 Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel gestrichen. Homosexualität gilt seitdem nicht mehr als Krankheit. Trotzdem sehen Teile der Bevölkerung und reaktionäre Politikerinnen und Politiker Homosexualität nach wie vor als minderwertig oder ansteckend an.

Ohne diese homophobe Grundüberzeugung gäbe es weder Therapie- und Umpolungsangebote für Lesben und Schwule noch Demonstrationen, die sich gegen einen Bildungsplan richten, der für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Transgender wirbt. Die römisch-katholische Kirche zeigt ihr homophobes Gesicht, indem sie Homosexualität weiter als Kündigungsgrund für ihre Angestellten sieht. Die ideologisch geprägte Ablehnung von Homosexuellen und Transgendern leitet auch die Politik der Bundesregierung. Noch immer müssen 50.000 schwule Männer, die auf Grund des §175 verurteilt wurden, auf ihre Rehabilitierung und Entschädigung warten. Wir fragen heute die Bundesregierung: Wie lange noch wollen Sie dieses Unrecht bestehen lassen?

Frau Merkel handelt unverschämt, wenn sie mit ihrem Bauchgefühl das gemeinschaftliche Adoptionsrecht, die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und die vollkommene rechtliche Gleichstellung ablehnt. Wer als Regierungschefin emotionale und irrationale Empfindungen als Begründung für die Benachteiligung sexueller Minderheiten angibt, handelt homophob und verletzt seinen Amtseid. Homophobie ist heilbar, Frau Merkel! Eine weltoffene und der Lebensrealität angepasste Politik wäre die Medizin, die ihre Bauchschmerzen beseitigt.

Deutschland fällt derzeit bei der Gleichberechtigung gegenüber anderen westlichen Ländern immer weiter zurück. Angesichts der neuen homo- und transphoben Mobilisierung in Russland, Uganda und Nigeria muss sich Deutschland deutlich anders präsentieren und positionieren. Insofern sendet der Tag gegen Homo- und Transphobie ein deutliches Signal an die deutsche Politik und die deutsche Gesellschaft.

Aktionen der LSVD-Landesverbände

Photogalerie zum IDAHOT

Berliner Manifest gegen Homo- und TransphobieGrundgesetz statt Bauchgefühl. Gemeinsames Adoptionsrecht jetzt!

LSVD-Protestaktion „Grundgesetz statt Bauchgefühl“ am 22. Mai zum fehlenden gemeinsamen Adoptionsrecht

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LSVD-Bundesverband
Hauptstadtbüro
 

Kongress mit Homoheilernetzwerk

Diakonisches Werk muss endlich reagieren

Vom 22. bis 24. Mai findet in Kassel der Kongress „Sexualethik und Seelsorge“ des Verbandes Weißes Kreuz statt. Dazu erklärt Hartmut Rus, Projektleiter „Mission Aufklärung“ des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD):

Wieder findet ein Netzwerktreffen von Fachverbänden des Diakonischen Werkes mit fundamentalistischen Kräften der evangelikalen Kirchen statt. Das Weiße Kreuz, ein Fachverband im Diakonischen Werk der EKD, hat dazu auch die bekannte antihomosexuelle Eiferin Christl Vonholdt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) als Referentin eingeladen. Das DIJG behauptet, dass die homosexuelle Orientierung nicht eine grundlegende Prägung, sondern eine Identitätsstörung sei. Demgemäß propagiert das DIJG pseudowissenschaftliche Therapiekonzepte mit fatalen Folgen für die betroffenen Menschen.

Der LSVD und die Mission Aufklärung haben diese Praktiken wiederholt kritisiert. Die Bundesregierung (BT-Drs. 16/7917) und die Landesregierung von Sachsen-Anhalt (LT-Drs. 6/2981) haben sie als unwissenschaftlich und schädlich verurteilt. Das hat dazu geführt, dass Organisationen wie Wüstenstrom e.V., Weißes Kreuz, die Offensive Junger Christen und das DIJG ihre Aussagen manipulierend verändert haben. Die Absicht bleibt jedoch die gleiche: Sie wollen Homosexuelle umpolen.

Der Verein Wüstenstrom neigt sogar dazu, Aussteiger zu bedrohen, die über ihre negativen Erfahrungen berichten: So wurden Aussteiger mit haltlosen Abmahnungen überzogen. Im Wüstenstrom-Rundbrief wurden „abgesprungene“ Ratsuchende mit vertraulichen Pseudodiagnosen aus der „Beratungspraxis“ öffentlich diffamiert. Das DIJG behauptet in Vorträgen, homosexuelle Männer seien nicht in der Lage, vertrauensvolle Beziehungen zu führen („maximal zwei Jahre“) und stellt sie als Sexbestien dar. Lesben sind laut Christl Vonholdt auf der Suche nach ihrer Mutter und saugen deswegen an der Brust der Partnerin.

Auf dem Kongress „Sexualethik und Seelsorge“ sollen diese pseudowissenschaftlichen Thesen wieder propagiert werden. Erneut soll für die zweifelhaften Beratungsangebote des DIJG und von Wüstenstrom geworben werden.

Wir können nicht verstehen, warum sich das Diakonische Werk der EKD an diesem Treiben mitschuldig macht. Wir haben die Führung des Werkes mehrmals angeschrieben. Nichts ist passiert, die Homoheiler schmücken sich weiter als Fachverband des Diakonischen Werkes. In einer ähnlichen Kontroverse um den Verein Leo e.V. aus Bennungen in Sachsen-Anhalt hat der Paritätische Sachsen-Anhalt sofort reagiert und den Verein aus seinen Reihen ausgeschlossen.

www.mission-aufklaerung.de

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LSVD-Bundesverband
 

Verfolgerstaaten rüsten auf

Uganda verschärft strafrechtliche Verfolgung von Homosexuellen

(26.02.2014) Trotz internationaler Proteste hat der ugandische Präsident Museveni das Anti-Homosexualitätsgesetz unterzeichnet. Es ist nun nach jahrelangem Hin und Her in Kraft getreten. Dazu erklärt Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Mit großer Bestürzung lesen wir die Berichte über die Verschärfung der staatlichen Verfolgung von Homosexuellen und Transgender in Uganda. Das Gesetz verletzt elementare Menschenrechte, die Verabschiedung ist ein Angriff auf die Würde aller Menschen. Nach Nigeria hat sich nun ein weiterer Staat zur massiven strafrechtlichen Aufrüstung und für systematische Menschenrechtsverletzungen entschieden.

Jahrelang hat eine Koalition aus über 20 zivilgesellschaftlichen Organisationen in Uganda gegen den Gesetzentwurf gekämpft. Die Aktivistinnen und Aktivisten sind in höchster Lebensgefahr. Schon beginnen die ersten Medien mit Aufrufen zu Hass und Gewalt.

Wir fordern die Bundesregierung auf, alle diplomatischen Mittel zu nutzen, um die Regierung in Uganda zu Milde zu bewegen. In der Verantwortung stehen auch alle anderen Organisationen, Unternehmen und Stiftungen, die in Uganda arbeiten. Insbesondere die kirchlichen Gruppen und Träger der Entwicklungszusammenarbeit sind gefordert, ihre Angebote für die Zivilgesellschaft so zu gestalten, dass sie Lesben, Schwulen und Transgender Schutz gewähren. Deutschland muss Hilfeleistungen auf allen Ebenen bieten.

Das neue Anti-Homosexualitätsgesetz erweitert die schon bestehende Kriminalisierung von Homosexuellen und Transgender. Menschen, die ein zweites Mal ergriffen werden, drohen lebenslange Haftstrafen. Zudem werden Angehörige, Freunde, Ärzte und Lehrer gezwungen, sich an der Verfolgung zu beteiligen.

Das Gesetz hat dramatische Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft, die Gesundheitsarbeit und das Leben von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender sowie deren Angehörigen. Sie brauchen unsere Unterstützung: Spenden Sie!

Zum Spendenaufruf der Hirschfeld-Eddy-Stiftung   


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LSVD-Bundesverband
Hauptstadtbüro

 

 

Sotschi-Freiheitsappell

Sotschi-Freiheitsappell

Sotschi-Freiheitsappell

Prominente aus Kunst, Medien und Sport unterstützen die LSVD-Solidaritätsaktion für Lesben und Schwule in Russland. Der „Sotschi-Freiheitsappell“ richtet sich an alle Athletinnen und Athleten, Berichterstatter, Betreuende und alle offiziellen Vertreterinnen und Vertreter Deutschlands bei den Olympischen Spielen. Sie werden aufgefordert, in Sotschi ihr Recht auf Meinungsfreiheit zu nutzen und sich in Interviews für die Rechte von Homosexuellen einzusetzen.

JA, ich unterstütze den Sotschi-Freiheitsappell! E-mail (sotschi@lsvd.de)

 

Der Appell an die deutsche Olympiadelegation im Wortlaut:

„In Russland sind wir alle Lesben und Schwule!“

Lesben und Schwule werden in Russland brutal unterdrückt. Menschenrechte werden immer stärker missachtet, für alle wird die Meinungsfreiheit zunehmend eingeschränkt.

Sie können etwas dagegen tun. Vor 50 Jahren rief John F. Kennedy den bedrängten, um ihre Freiheit fürchtenden Menschen in Berlin zu: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger Berlins, und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können ‚Ich bin ein Berliner‘!“

2014 können Sie in Sotschi ein Zeichen setzen: Die Olympische Charta verbietet politische Demonstrationen an den olympischen Stätten, aber selbstverständlich gilt für Sie als Athletinnen und Athleten oder Betreuerinnen und Betreuer auch in Sotschi das Recht auf freie Meinungsäußerung.

In Interviews und Medienterminen werden Sie natürlich in erster Linie über die Wettkämpfe und Ihre sportlichen Leistungen sprechen. Wir appellieren an Sie, dem in jedem Gespräch, bei jedem Interview und Medientermin ein Wort der Solidarität hinzuzufügen. Das ist unser Vorschlag zum Sotschi-Freiheitsappell:

„Als ein freier Mensch sage ich: In einem Land, das Lesben und Schwule unterdrückt, bin auch ich ein Schwuler, bin auch ich eine Lesbe. Denn ich stehe ein für das Recht aller Menschen auf Meinungsfreiheit, auf Gleichbehandlung und auf Respekt für ihre Liebe. Unterdrückung und Gewalt gegen eine Minderheit dagegen machen uns alle unfrei. Die Zensur- und Unterdrückungsgesetze müssen weg. Jede Gesellschaft gewinnt, wenn unsere lesbischen Schwestern und unsere schwulen Brüder ebenfalls frei, gleichberechtigt und respektiert leben können.“

Unterstützen Sie den Sotschi-Freiheitsappell! Nutzen Sie jede Gelegenheit dazu, ein Zeichen für die Menschenrechte zu setzen!

Erstunterzeichnende:

  • Frank Bsirske (Vorsitzender von ver.di)
  • Hans Christoph Buch (Schriftsteller)
  • Zora del Buono (Schriftstellerin)
  • Renan Demirkan (Schriftstellerin und Schauspielerin)
  • Tanja Dückers (Schriftstellerin)
  • Imke Duplitzer (mehrfache Medailliengewinnerin im Fechten)
  • Karen Duve (Schriftstellerin)
  • Nina Hagen (Sängerin)
  • Gerold Hildebrand (DDR-Bürgerrechtler, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen)
  • Freya Klier (Schriftstellerin und Filmemacherin)
  • Gudrun Landgrebe (Schauspielerin)
  • Bernd Loebe (Intendant der Frankfurter Oper)
  • Christine Lüders (Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
  • Marko Martin (Schriftsteller)
  • Roswitha Quadflieg (Schriftstellerin)
  • Lutz Rathenow (Schriftsteller)
  • Frank Schätzing (Schriftsteller)
  • Hella von Sinnen (Fernsehunterhalterin und Komikerin)
  • Günter Wallraff (Journalist und Schriftsteller)
  • Uwe Tellkamp (Schriftsteller)
  • Theo Zwanziger (DFB-Präsident a.D.)
  • Tom Haus ( DDR-Bürgerrechtler,Vorstandsmitglied LSVD Sachsen, Liedermacher )

Mehr Informationen

Schkeuditz für gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt! - LSVD warnt Oberbürgermeister Enke vor homophoben Kongress

Am 23. November 2013 soll in Schkeuditz bei Leipzig die zweite Compact-Konferenz „Werden Europas Völker abgeschafft?“ stattfinden. Dazu erklärt Hartmut Rus, Vorstand im Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Sachsen:

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Sachsen geht aufgrund der Veranstalter und der bislang bekannten Rednerinnen und Redner davon aus, dass die geplante Compact-Konferenz eine Plattform für rechtspopulistische und homophobe Positionen bieten wird. Daher haben wir den Oberbürgermeister Jörg Enke darauf hingewiesen, dass der Ruf der Stadt Schkeuditz durch diese Konferenz schweren Schaden nehmen und zukünftig mit undemokratischen und rechtspopulistischen Ansichten in Verbindung gebracht werden wird. Wir haben ihn daher gebeten, deutlich zu machen, dass die Compact-Konferenz in Schkeuditz nicht willkommen ist und in seiner Stadt weder Platz für völkischen Nationalismus noch für Lesben- und Schwulenfeindlichkeit ist.

Zum Hintergrund

Das Compact-Magazin ist für seine nationalistischen, verschwörungstheoretischen und rechtspopulistischen Beiträge bekannt. Angekündigt ist etwa ein Vortrag von Duma-Abgeordneten über die „Erfolge von Wladimir Putins Familienpolitik“. Diese menschenfeindliche russische „Familien-Politik“ hat zur Folge, dass Homosexuelle in Russland vermehrt Opfer von erschreckender Gewalt geworden sind und immer wieder von nationalistischen Gruppen gejagt, verfolgt und gedemütigt werden. Nach einem Adoptionsverbot für Lesben und Schwule wird in Russland gegenwärtig diskutiert, Regenbogenfamilien ihre Kinder gesetzlich wegzunehmen. Zudem gilt dort seit einigen Monaten ein gesetzliches Verbot öffentlich für Respekt und Akzeptanz einzutreten. Homosexuelle sind dort zum Freiwild erklärt worden.

Eingeladen ist auch Béatrice Bourges, die vor militanten Aktionen nicht zurückscheut und von Frankreichs Innenminister Manuel Valls als „gefährlichste Frau des Landes“ bezeichnet wurde. Bourges war maßgeblich für eine Radikalisierung der Proteste gegen die Öffnung der Ehe bis hin zu körperlichen Angriffen gegen Lesben und Schwule verantwortlich.

Zur Konferenz eingeladen ist auch Eva Herman, die die abstruse These vertritt, dass Kinder in der Schule durch den Aufklärungsunterricht staatlich „homosexualisiert“ werden würden. Eingeplant ist zudem Thilo Sarrazin, verglich nach seinen rassistischen Thesen zur angeblichen Überfremdung jüngst Lesben und Schwule mit „Faultieren“, die nicht mit dem Löwen gleichgestellt werden dürften. Norbert Geis ist ebenfalls bekannt als Hardliner gegen lesbische und schwule Paare, die er als „Fehlentwicklungen“ bewertet.

Ein aufrüttelndes Video zur Lage in Russland:  https://www.youtube.com/watch?v=Hm0x_q8gkDE

Pressemitteilung vom 22. Juli 2013

LSVD Sachsen: CSD Leipzig menschenrechtspolitisch fokussiert

Anlässlich des Christopher Street Day (CSD) in Leipzig erklärt Hartmut Rus, Mitglied im Vorstand des LSVD Sachsens:

Ein aktionsreiches Wochenende liegt hinter uns. In Leipzig feierten wir den Christopher Street Day (CSD) und dieser war ein voller Erfolg: schönes Wetter, nette Besucher, gute Gespräche. Die Besucher an unserem Stand beschäftigten vor allem mit menschenrechtspolitischen Themen.

Ein wichtiger Schwerpunkt wurde durch die BotschafterIn des Leipziger CSD 2013, Lucie Veith, gesetzt, die den Vorsitz im Verein Intersexuelle Menschen e. V. inne hat. Sie wies auf das Leid intersexueller Menschen hin, die durch Ärzte bereits im Säuglingsalter gegen Ihren Willen genital verstümmelt werden und so später häufig Ihre Sexualität nicht mehr ausleben können:

„Intersexuelle sind Menschen, deren Geschlechtsmerkmale nach biologischen Maßgaben nicht „eindeutig“ in die Geschlechtskategorien Frau/Mann eingeordnet werden können. Oft werden diese Menschen auch als Menschen mit DSD, mit einer Variante der geschlechtlichen Differenzierung, als  Hermaphroditen, Zwitter oder zwischengeschlechtliche Menschen bezeichnet. Diese Menschen werden bis zum heutigen Tage in der Regel bereits im Säuglingsalter mit geschlechtszuweisenden Operationen und Medikamenten „behandelt“ , ohne dass sie jemals die Möglichkeit des Einspruchs ob Ihrer Geschlechtszuweisung erheben können. Dies ist ein menschenrechtliches Vergehen.“ (mehr unter: http://www.csd-leipzig.de/botschafterin.html )

Der Marktplatz von Leipzig hat sich als idealer neuer Treffpunkt und Veranstaltungsort herausgestellt, der sehr gut gefüllt gewesen ist. Leider gab es am Rande der Veranstaltung aber auch negative Vorfälle. So wurde über Nacht von Unbekannten die Regenbogenfahne vor dem Rathaus gestohlen und uns als LSVD wurde berichtet, dass in einer Seitenstraße eine Gruppe von Ausländer, Passanten mit Sprüchen wie „Na? Du Tunte!“ belästigt haben sollen.

Dieser zuletzt genannte Vorfall ist ein deutliches Zeichen das Toleranz und Aufklärung überall vorangebracht werden muss. Menschen anderer Rasse, Sprache, Heimat oder Herkunft werden häufig selbst ebenfalls Opfer von Ausgrenzung und Gewalt, genauso wie wir Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle (LSBTTI). Auch in Leipzig gibt es noch immer Orte und Zeiten, an denen sich diese Menschen nicht ungestört oder allein, geschweige denn frei, auf der Straße bewegen können. Dagegen sollten wir gemeinsam vorgehen!

Pressemitteilung zum CSD Chemnitz 2013

16.06.2013              

Erster CSD in Chemnitz hat Erwartungen der Veranstalter weit übertroffen – 250 Demo-Teilnehmer – 600 Besucher des Straßenfestes!

Anlässlich des ersten Christopher Street Day (CSD) in Chemnitz am 15. Juni 2013 erklärt Tom Haus, Organisator des CSD und Mitglied im Vorstand des LSVD Sachsens:

Die Stadt Chemnitz präsentierte sich beim ersten CSD als weltoffene Stadt.
Um 12 Uhr startete mit etwa 250 TeilnehmerInnen am Schillerplatz eine fordernde Parade, die über Bahnhofstr., Theaterstr. und Düsseldorfer Platz in die Innenstadt führte. Gegen 14 Uhr eröffnete unsere SchirmherrIn OberbürgermeisterIn Frau Barbara Ludwig persönlich das Straßenfest auf dem Wall am Roten Turm und zeigte damit, dass für die Stadt Chemnitz Toleranz und Vielfalt ein wichtiges Gut ist. Im Vorfeld der OberbürgermeisterInnen-Wahl bekundeten auch alle anderen KandidatInnen geschlossen in einer anschließenden Podiumsdiskussion, wie wichtig Ihnen der CSD selbst ist und seine politischen Anliegen für Chemnitz sind.

Den ca. 600 Besuchern des Straßenfestes wurde ein umfangreiches Kulturprogram geboten. Neben dem Live-Auftritt der griechischen Sängerin Elia Goussie (http://www.youtube.com/user/EliaMusicTV) waren weitere Highlights: politsatirische Travestieauftritte mit Dr. h. c. Christel Rebecca von Holdt vom DIHH, eine Modenschau unseres Hauptsponsors, der Chemnitzer Modemarke Bruno Banani. Musikalisch untermalt wurde der CSD Chemnitz durch die DJ´s Nano 42, Shaolin 42  und DJ Quest aus der Fraktion 42 sowie DJ MarKX.

Dem Chemnitzer CSD waren in einer Programmwoche verschiedene Veranstaltungen von unterstützenden Vereinen sowie ein queeres Filmfest vorausgegangen.

Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Stadt und Veranstalter lief die Parade ohne Probleme ab. Der CSD hätte nicht ohne die finanzielle Unterstützung unserer Sponsoren durchgeführt werden können. Daher ergeht unser Dank auch explizit an bruno banani, Lesben- und Schwulenverband (LSVD), Piraten Chemnitz, Grüne Jugend und das Weltecho. Wir vom sächsischen Landesverband des LSVD danken außerdem allen weiteren Unterstützern und Teilnehmern des CSD Chemnitz. Eine Fortsetzung ist zum 14. Juni 2014 geplant.
 

Bilder und Videos finden Sie unter:

www.csd-chemnitz.de  und  https://www.facebook.com/csdchemnitz

 

Unterstützer in chronologischer Reihenfolge:

AIDS-Hilfe Chemnitz e.V., bruno banani – not for everybody, Bündnis 90 / Die Grünen und Grüne Jugend, Clubsauna Outside, Die Linke und linksjugend solid', different people e.V., Downtown Lounge, Lesben- und Schwulenverband (LSVD), N´Dorphin Club e.V, FDP Chemnitz und Jungliberale JuLis, IKEA, MS Beat Festival, Piratenpartei, SPD und Schwusos, Stadt Chemnitz – Stadt der Moderne, Stay Rebel-Festival, Weltecho

Mit freundlichen Grüßen

Tom Haus

 

 

LSVD Sachsen ist empört über homophobe CDU-Werbung von BILD - 05.06.2013

Bildzeitung bedient sich homophober Rhetorik extremistischer Kreise und diffamiert die sächsische Bildungspolitik

Zu dem Bildzeitungsartikel: „Linke wollen ‚SCHWUL–Unterricht‘ einführen“ vom 03.06.2013 erklärt Hartmut Rus, Mitglied im Vorstand des LSVD-Sachsen:

Der Bild-Autor Andreas Harlass macht mit homophoben Behauptungen Stimmung gegen Homosexuelle und linke Politiker. So etwas gab es bisher nur in Russland, Uganda und ähnlichen homophoben Staaten.

Bereits die Überschrift: „Linke wollen, SCHWUL–Unterricht‘ einführen“, ist eine Irreführung und bedient Ängste gegen Homosexuelle. Die „Kronzeugin“ von BILD, Gabriele Kuby, ist als eifernde Kämpferin gegen die Gleichstellung von Frauen, Homosexuellen und anderer Minderheiten bekannt. Sie warnt mal wieder, dass Aufklärungsunterricht in der Schule die Kinder in die Homosexualität „treibe“. Gleichzeitig macht Bild Wahlkampfwerbung für die CDU, die den Aufklärungsunterricht an sächsischen Schulen verhindern werde, wenn die „FDP nicht aus der Reihe tanzt“.

 

Wahr ist: Es gibt mehrere Vorschläge von SPD, Grüne, Linke, CDU und FDP, den Aufklärungsunterricht an sächsischen Schulen zu reformieren. Die Vorschläge liegen nicht weit auseinander. Demgemäß waren sich in den Ausschüssen alle Fraktionen einig, dass mehr geschehen muss. Aber das verschweigt Bild und greift stattdessen einseitig die Linke an.

 

Es sollen natürlich keine Sexualpraktiken in der Grundschule vermittelt werden, wie der Artikel suggeriert. Davon abgesehen kann Homosexualität weder erlernt, noch kann man dazu verführt werden. Mit solchen Behauptung  arbeiten die christlich-fundamentalistischen Sekten in den Entwicklungsländern und heizen so die Pogromstimmung gegen Homosexuelle an. Diese bewusst geschürte homophobe Stimmung führt immer wieder zu Hassverbrechen mit tödlichen Folgen.

 

Solchen menschenfeindlichen Ideologien und diffamierenden Artikeln muss die Stirn geboten werden. Die CDU ist aufgerufen, sich von diesem fragwürden Werbeartikel zu distanzieren. Alle demokratischen Parteien sind aufgerufen, bei der Neugestaltung des Aufklärungsunterrichts ohne Vorurteile sachlich zusammen zu arbeiten. Der BILD-Artikel zeigt, wie notwendig sachlich fundierte Aufklärung ist.

Link zum Artikel der Bildzeitung:
http://www.bild.de/regional/dresden/bildung/eine-irre-idee-aus-sachsen-30660354.bild.html

Sachbezogene Informationen zu den ideologischen Hintergründen  der homophoben Theorien auf :
www.mission-aufklaerung.de

 

 

 

 

 

Pressemitteilung

Therapien für „ungewollte Heterosexualität“

LSVD Sachsen gründet Deutsches Institut zur Heilung von Heterosexualität 

 

01.04.2013

 

Anlässlich der Gründung des Deutschen Instituts zur Heilung von Heterosexualität (DIHH) durch den LSVD Sachsen erklärt Dr. h. c. Christel Rebecca von Holdt, Leiterin des DIHH:

Tagtäglich haben sich Menschen, die unter ihren unerwünschten heterosexuellen Gefühlen leiden an den Lesben- und Schwulenverband Sachsen gewandt. Sie wünschten sich eine Entwicklung ihres homosexuellen Potentials, doch mussten sie lange Zeit enttäuscht weggeschickt werden. Mit dem Deutschen Institut zur Heilung von Heterosexualität (DIHH) können wir nun endlich fachkompetente Heteroheilungskurse anbieten.

 

Denn Heterosexualität ist nicht angeboren. Oftmals ist sie Folge sexuellen Missbrauchs, Verführung oder anderen traumatischen Erfahrungen. Laut langjährigen, intensiven Forschungen können heterosexuelle Empfindungen auch als Versuch angesehen werden, chronische Bindungsverletzungen aus der Kindheit auszugleichen. In der Heterosexualität werden aus der Kindheit stammende, ungestillte emotionale Bedürfnisse nach Zuwendung und Wertschätzung durch den gegengeschlechtlichen Elternteil sexualisiert. Allerdings bleibt Heterosexualität immer ein vergeblicher Versuch, denn sexuelles Verhalten kann niemals emotionale Verletzungen heilen.

 

Das DIHH bietet den betroffenen Heterosexuellen an, über mehrere Jahre bei uns zu leben. Mit vorurteilsfreien Gesprächen über ihre Sexualität, aber auch mit Hilfe von Rollenspielen und psychotherapeutischer Begleitung können sie ihre heterosexuellen Gefühle bei uns überwinden. Sie werden selbstbewusste, stabile und glückliche Lesben und Schwule. Diese Therapien werden häufig auch von den Krankenkassen übernommen.

 

Wir verstehen uns als Pendant zum bereits bestehenden „Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG)“ und möchten nun ebenfalls als Mitglied des Diakonie-Dachverbandes die Wahlmöglichkeiten in Sexualitätsheilungsfragen erweitern. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem DIJG, der Evangelischen Allianz oder der Organisation Wüstenstrom.

 

Der LSVD-Bundesverband begrüßt die Gründung des Instituts und wünscht zahlreiche Therapieerfolge. Bündnis 90/Die Grünen, die Linke, FDP und SPD haben ebenfalls ihre Unterstützung zugesagt. Einzig Bundeskanzlerin Merkel sowie einzelne Unionspolitikerinnen und -politiker zeigen sich skeptisch. Sie befürchten die Diskriminierung heterosexueller Minderheiten.

 

Mehr Informationen unter: www.mission-aufklaerung.de ; www.sachsen.lsvd.de

 

 

 

 

 

04.03.2013

LSVD Sachsen: Sächsische Bundestagsabgeordnete greift Bundesverfassungsgericht an

Bettina Kudla behauptet in Ihrer Pressemitteilung vom 04.03.2013, dass das Kindeswohl durch das Bundesverfassungsgericht nicht berücksichtig worden sei. Außerdem behauptete sie, dass „alle seriösen wissenschaftlichen Studien“ belegen würden, dass Kinder angeblich nur mit „Mutter und Vater“ am besten aufwachsen könnten. Sie forderte außerdem für die Gesellschaft mehr Zeit ein, um „sich an veränderte Familienbilder zu gewöhnen.

Zu den Äußerungen über Regenbogenfamilien durch die Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla (CDU) erklärt Hartmut Rus für den Landesvorstand des LSVD Sachsen:

Frau Kudla schießt unsachlich daneben. Die CDU-Vizechefin Ursula von der Leyen brachte es diese Woche im Spiegel auf den Punkt: "Ich kenne keine Forschung, die belegt, dass Kinder aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nicht ebenso behütet ins Leben gehen, wie Kinder von Eltern im traditionellen Sinn".

Ideologische Blockaden haben im Familienrecht nichts zu suchen. Zwölf Jahre Diskussion müssten eigentlich auch für die CDU/CSU genug sein. Ihre Wähler sind schon weiter als deren Vertreter, denn die Mehrheit ihrer Anhänger ist auf Seiten der Homosexuellen. Das Urteil zeigt dem Gesetzgeber, dass hier nur gleiche Rechte der Maßstab sein dürfen. Nach nunmehr fünf Verurteilungen wegen der Diskriminierung der Lebenspartner müsste auch der letzte Hardliner begreifen, dass eine solche Politik rechtswidrig ist.

Der LSVD Sachsen begrüßt daher das positive Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Das Urteil stärkt die Rechte von Kindern in gleichgeschlechtlichen Familien.

Bislang war es adoptierten Kindern verwehrt, von der zweiten Mutter oder dem zweiten Vater adoptiert werden zu können. Diese Praxis hat das Gericht als Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot gewertet und für verfassungswidrig erklärt. Artikel § 9 Abs. 7 LPartG muss nun so ausgelegt werden, dass auch die Co-Adoption durch den anderen Partner bzw. die Partnerin möglich ist. Nun können adoptierte Kinder in Regenbogenfamilien endlich den Kindern in heterosexuellen Familien gleichgestellt werden.

Für diese Regenbogenkinder bedeutet diese Entscheidung eine zusätzliche Rechtssicherheit, sowie verdoppelte Anrechte auf Unterhalt und Erbe.

Mit freundlichen Grüßen

 Landesvorstand des LSVD Sachsen

Adresse:

LSVD- Landesverband Sachsen, Postfach 01 76, 09001 Chemnitz, e-mail:sachsen@lsvd.de

Internet:www.sachsen.lsvd.de   www.lsvd.de   www.mission-aufklaerung.de 

 www.lsvdchemnitz.de

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Und hier geht's zur Studie (sie ist nachstehend komplett im Wortlaut als PDF-Datei verlinkt):

*Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften’ - Studie zur Kindeserziehung in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, erstellt von der Universität Bamberg, 2009

http://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/pdfs/Forschungsbericht_Die_Lebenssituation_von_Kindern_in_gleichgeschlechtlichen_Lebenspartnerschaften.pdf?__blob=publicationFile

http://www.uni-bamberg.de/kommunikation/news/artikel/regenbogenfamilie/

(**Die Studie des bayerischen Staatsinstituts befindet sich auf der Höhe der modernen Forschungsmethodik. Sie nutzt alle erdenklichen Zugänge und Instrumente, um Informationen zum Befinden der Kinder in Regenbogenfamilien zu gewinnen und zu interpretieren.

Das Bundesjustizministerium hat den gesamten Forschungsverlauf von einem stark besetzten wissenschaftlichen Beirat begleiten lassen. Hier wurden sowohl die methodische Qualität besprochen und einvernehmlich beschlossen als auch die Resultate eingehend geprüft. Die Studie selbst wurde von einer Gruppe Bamberger und Münchner Familienex-perten durchgeführt, vermutlich alle mit heterosexueller Lebensführung. Die Untersuchung beruht nicht nur auf einer 'repräsentativen' Stichprobe, sondern weithin auf einer 'Totalerhebung'; das heißt, alle erreichbaren Kinder gleichgeschlechtlicher Elternpaare wurden einbezogen.

Stichproben gab es für die Kontrollgruppen der Kinder in gemischt-geschlechtlichen Familien)

**Quelle:   WDR-Faktencheck zur ‚Hart aber fair’ Sendung vom 03.12.2012 mit dem Titel: „Papa, Papa, Kind: Homo-Ehe ohne Grenzen?“   http://www1.wdr.de/themen/politik/faktencheck256.html

Auszüge aus der wissenschaftlichen **Studie:

Fakten, statt Vorurteile:

Die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat im Juli 2009, gemeinsam mit der stellvertretenden Leiterin des Instituts für Familien-forschung an der Universität Bamberg, Dr. Marina Rupp, eine Studie zur Situation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften vorgestellt.

Gegenstand der Untersuchung war die Frage, wie Kinder in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften  aufwachsen und ob das Kindes-wohl in diesen Lebensgemeinschaften gleichermaßen gewahrt ist wie bei heterosexuellen Elternpaaren.

Die Studie ist international als außerordentlich belastbar und repräsentativ anerkannt (siehe auch oben **)

„(…) Die Untersuchung hat bestätigt:  Dort, wo Kinder geliebt werden, wachsen sie auch gut auf. Entscheidend ist eine gute Beziehung zwischen Kind und Eltern und nicht deren sexuelle Orientierung.

Wir sollten daher nicht auf halbem Wege stehen bleiben und jetzt die gesetzlichen Voraussetzungen für eine gemeinsame Adoption durch Lebenspartner schaffen …“,  heißt es in der Pressemitteilung des Bundesjustizministeriums vom 23. Juli 2009Zitate aus der Studie:

Anmerkung:  Die verlinkten Quellen - darunter die komplette Studie, veröffentlicht im Bundesanzeiger als PDF-Datei - finden sich etwas weiter oben im Text)

„(…) Homosexuelle Paare sind keine schlechteren Eltern, Kinder entwickeln sich bei zwei Müttern oder zwei Vätern genauso gut wie in anderen Familienformen …“

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„(…) Das Aufwachsen in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften ist für die Kinder nicht - wie oft (fälschlich) angenommen wurde - grundsätzlich problematisch. Vielmehr können sie zumeist gut mit ihrer Familiensituation umgehen …“

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„(…) Gleichgeschlechtlich lebende Eltern legen in hohem Maße Wert darauf, dass ihre Kinder auch Bezugspersonen des anderen Geschlechts im nahen Lebensumfeld haben, damit ihnen ausreichend weibliche bzw. männliche Rollenvorbilder zur Verfügung stehen …“

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„(…) Kinder und Jugendliche in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften zeigen ein nachweislich höheres Selbstwertgefühl und mehr Autonomie in der Beziehung zu beiden Elternteilen als Gleichaltrige in anderen Familienformen …“

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„(…) In der Bewältigung altersspezifischer Entwicklungsaufgaben wie dem Umgang mit Freundschaften und intimen Beziehungen, in der Loslösung von den Eltern, der Einschätzung der eigenen Person, im Umgang mit den eigenen körperlichen Veränderungen während ihrer Pubertät und in der Formulierung zukünftiger Ziele stehen sie ihren Altersgenossen aus anderen Familienformen in nichts nach …“

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„(…) In der Planung von Ausbildung und Beruf sind Kinder aus gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften anderen sogar voraus, und bei der schulischen Entwicklung lässt der überdurchschnittliche Anteil dieser Kinder auf weiterführenden Schulen darüber hinaus überdurchschnittliche Abschlüsse erwarten …“

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Was sagen die Kinder dazu?  (***siehe dazu auch aktuelle Interviews mit Regenbogenkindern - Magazin der SZ 02/2013 - unten verlinkt)

„(…) Kinder und Jugendliche, die in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften aufwachsen, bewerten ihre Familiensituation positiv und fühlen sich in ihrer Entwicklung nicht beeinträchtigt und das obwohl sie ihre Familiensituation in der Studie nachweislich weder bewusst noch unbewusst besonders positiv darzustellen versuchten.


Wenn von Kindern und Jugendlichen ein Einfluss auf die eigene Entwicklung durch ihr Aufwachsen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft wahrgenommen wird, ist er positiver Natur:  Die Kinder sehen durch ihre Familienform eine Entwicklung hin zu mehr Offenheit, Toleranz und Selbständigkeit begünstigt und beschreiben positive Reaktionen von Freunden und Partnern auf ihren Familienhintergrund …“

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Und was sagen die Expert(inn)en?

„(…) Über zwei Drittel der Expert(inn)en sprechen sich für einen konkreten Änderungsbedarf der Rahmenbedingungen von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften mit Kindern aus:  Er reicht von einzelnen rechtlichen Regelungen, wie einem gemeinsamen Adoptionsrecht und der finanzrechtlichen Gleichstellung, bis zur Beseitigung sämtlicher bestehender Ungleichheiten zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren und heterosexuellen Ehepaaren …“

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„(…) Lesbische Mütter und schwule Väter stehen heterosexuellen Eltern in ihrer elterlichen Kompetenz in nichts nach.


Feststellbare Unterschiede fördern ausnahmslos das Wohl des Kindes. Die Beziehung zu den Kindern ist gut, fürsorglich und zugewandt. Homosexuelle Eltern legen viel Wert auf die Beachtung von Grenzen und vermeiden harte Sanktionen …


(…) Das Familienklima ist durchwegs sehr positiv. Sorgen und Nöte werden beachtet und offen angesprochen. Die Familien regen sich weniger über Kleinigkeiten auf, Reibereien sind seltener …


(…) Individuelle Erwerbstätigkeit, Versorgungsaufgaben und Haushaltsführung sind deutlich gleichberechtigter und flexibler verteilt


(…) In der Kinderversorgung engagieren sich Mütter und Väter in gleichem Maße …


(…) Kinder homosexueller Eltern entwickeln - genauso wie Kinder heterosexueller Eltern - eine Geschlechtsrollenidentität und ein Rollenverhalten, das ihrem biologischen Geschlecht entspricht …


(…) Kinder homosexueller Eltern werden nicht häufiger homosexuell als Kinder heterosexueller Eltern …


(…) Ihre psychische Entwicklung (Selbstbewusstsein, Sozialverhalten, Erwachsenwerden) verläuft altersgemäß und genauso wie bei anderen Kindern. Schulische und berufliche Perspektiven sowie die Entwicklung emotionaler und sozialer Kompetenz sind gut, genauso wie der Kontakt zu Gleichaltrigen …


(…) Kinder aus homosexuellen Familienkonstellationen sind ebenso gut (oder schlecht) sozial integriert und angepasst wie Kinder heterosexueller Eltern …


Fazit:

Die homosexuelle Orientierung von Eltern ist für die gelingende Elternschaft überhaupt kein Hinderungsgrund, sie ist ebenso zum Wohl der Kinder und Jugendlichen.

*** In diesem Zusammenhang ebenfalls interessant:  Interviews mit sog. Regenbogenkindern, veröffentlicht im Magazin der Süddeutschen Zeitung 02/2013   
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/39323/Ich-faende-es-seltsam-wenn-mein-Vater-eine-Freundin-haette

 

Pressemitteilung des LSVD Sachsen, 04.12.2012

Sächsische CDU-Politiker, Ärzte und Therapeuten besuchen Werbeveranstaltung zur Heilung Homosexueller

LSVD Sachsen veröffentlicht Erlebnisbericht zu Homoheilungsseminar in Sachsen

Der Akademikerzweig der Studentenmission Deutschland (SMD) hat am 17. November 2012 im Altenpflegeheim des Diakoniewerks Martinsberg im sächsischen Pausa die Tagung „Homosexualität verstehen“ mit Dr. Christl Vonholdt veranstaltet. Nach dem Besuch erklärt Hartmut Rus, Landesvorstand vom LSVD Sachsen:

Die Veranstaltung war ein Paradebeispiel für die christlich-fundamentalistisch geprägte Homosexuellenfeindlichkeit. Der  LSVD Sachsen ist entsetzt, dass die Akademiker Studentenmission und das Diakoniewerk Martinsberg kruden homophoben Thesen ein Forum bieten. Laut Vonholdt ist Homosexualität eine „seelische Störung“ und Folge sexuellen Missbrauchs, Verführung und emotionalen Bindungsverletzungen. Anwesend waren Fachkräfte der evangelischen Jugendarbeit, Therapeutinnen und Ärzte, die sich begeistert zeigten. Es wurde beraten, wie der homoheilerische Ansatz gegenüber Krankenkassen abzurechnen sei. Offensichtlich werden in Sachsen darauf aufbauende Therapiekonzepte angeboten und insbesondere junge verunsicherte Lesben und Schwule zum Selbsthass erzogen. Hier werden Krankenkassen hinters Licht geführt, Entscheidungen der Weltgesundheitsorganisation und therapeutische Standards missachtet und die Würde der Patientinnen und Patienten massiv verletzt. Diesem Handeln müssen Landesregierung und Berufsverbände Einhalt gebieten.

Besonders interessiert zeigte sich der anwesende CDU-Politiker und Plauener Stadtrat Dieter Blechschmidt. So wollte der für seine homophoben Ausfälle bereits bekannte Blechschmidt wissen, wie er seine Meinung vertreten könne, ohne dass es wieder Ärger gibt. Er wurde ermutigt, weiterhin unbequeme Wahrheiten zu äußern und erhielt eine rhetorische Fortbildung für seine Homophobie. Wir fordern die sächsische CDU dazu auf, sich von Herrn Blechschmidt zu distanzieren. Die Landesregierung muss sicherstellen, dass in Sachsen Lesben und Schwule selbstbestimmt, offen und diskriminierungsfrei leben können.

Wir waren erschüttert, die gleichen christlich-fundamentalistischen Argumentationsmuster zu hören, die gegenwärtig in Uganda die Einführung der Todesstrafe und die lebensgefährliche Verfolgung von Lesben und Schwulen legitimieren sollen. Auch in Osteuropa hält Frau Vonholdt ihre Vorträge und legitimiert damit eine zunehmende Rekriminalisierung wie etwa die Antihomosexualitätsgesetze in Russland. Hier müssen die Kirchen in Deutschland deutlich Einspruch dagegen erheben, dass die christliche Religion für die Ausgrenzung von Lesben und Schwulen instrumentalisiert wird.

Zum Hintergrund

Frau Dr. Vonholdt ist Leiterin des Instituts für Jugend und Gesellschaft sowie der Offensive junger Christen. Diese Ökumenische Lebensgemeinschaft unter dem Dach des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) bietet Homosexuellen an, über mehrere Jahre bei sich zu leben, um ihre homosexuellen Gefühle zu überwinden. Ihre Ansichten gelten in der Fachwelt als unwissenschaftlich und gefährlich, doch lässt ihr die evangelische Kirche offenbar freie Hand.

Den Erlebnisbericht um Herunterladen finden hier:

Erlebnisbericht zu Werbeveranstaltung zur Heilung Homosexueller 2012

Pressemitteilung des LSVD Sachsen vom 04.12.2012

 
   

Erlebnisbericht

02.12.2012

„Homosexualität verstehen. Christen bedenken ein brisantes Thema.“

 

Akademiker SMD Regionaltagung Sachsen West, 17. November 2012, Pausa/Vogtland

Erlebnisbericht von Hartmut, Rus, Tom Haus und Lysann Otto

(Lesben- und Schwulenverband Sachsen – LSVD Sachsen)

Von besorgten Christinnen und Christen bekamen wir vom LSVD Sachsen den Hinweis, dass der Akademiker-SMD eine Regionaltagung „Homosexualität verstehen! Christen bedenken ein brisantes Thema“ im vogtländischen Pausa organisieren würde. Als Rednerin war Dr. Christl Vonholdt eingeladen, Leiterin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft und bekannt für ihre Ansichten, dass Homosexualität therapier- und heilbar sei. Der Veranstaltungsflyer wies darauf hin, dass homosexuelle Menschen „in Politik und Medien präsent sind und auch „im Bereich der Kirche (…) mehr und mehr verantwortliche Positionen“ anstreben würden. Wie christliche Menschen mit Lesben und Schwulen sowie „deren Lebensformen, in und außerhalb der Gemeinschaft umgehen“ sollten, für diese Fragen versprachen das Organisationsteam des Akademiker SMD Beratung von „kompetenter Seite“.

So fanden auch wir, Hartmut Rus, Tom Haus und Lysann Ottovom LSVD-Landesvorstand Sachsen, uns am 17. November am Veranstaltungsort ein, dem Tagungsraum des Altenpflegeheims Pausa, betrieben vom Diakoniewerk Martinsberg.

Wiedersehen mit CDU-Stadtrat Dieter Blechschmidt

In freundlicher Atmosphäre trafen wir auf rund 70 Besucherinnen und Besucher. Darunter auch leitende Angestellte aus christlichen Krankenhäusern, Seelsorgerinnen, Psychotherapeutinnen und Ärzten sowie Führungspersonal aus der evangelischen Jugendarbeit. Zudem fanden sich auch zwei CDU-Stadträten, wie zum Beispiel Dieter Blechschmidt  aus Plauen ein. Blechschmidt machte Anfang des Jahres mit folgenden Aussagen Schlagzeilen: „Natürlich können Schwule und Lesben zunächst einmal nichts für ihre Krankheit und niemand darf sie dafür verurteilen, doch eine Krankheit sollte nicht zur gesellschaftlichen Normalität erhoben werden, sondern den Betroffenen sollte Hilfe angeboten werden.“

Nachdem Frau Dr. Vonholdt als Fachfrau für Homosexualität vorgestellt wurde, fragte Herr Blechschmidt sogleich, wie er seine Ansichten zum Thema Homosexualität äußern könne, ohne dass Betroffene sich verletzt oder beleidigt fühlen. Frau Vonholdt betonte, dass man mit der Wahrheit manchmal anecken würde. Diese Wahrheit lautet: „Homosexualität ist ein Symptom einer emotionalen Störung und ein Identitätskonflikt.“ Und begründete dies mit den von Gott festgelegten Identitäten von Mann und Frau mit festgelegten Identitäten. So wären homo-, bi- oder transsexuelle Menschen Menschen mit psychischen Störungen, die vor ihren Problemen davonlaufen. Sie verdienen Mitleid, doch man könne ihnen mit Therapien helfen.

Therapien für „unerwünschte Homosexualität“

Frau Vonholdt stellte dann das „Institut für Jugend und Gesellschaft“ vor, dem sie als Leiterin vorsteht. Das Institut gehört der „Offensive Junger Christen“. Diese Ökumenische Lebensgemeinschaft unter dem Dach des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) bietet Homosexuellen an, über mehrere Jahre bei sich zu leben, um auch mit Hilfe externe Psychotherapeuten ihre homosexuellen Gefühle zu überwinden.

Grundlage für die Therapiemöglichkeit ist die Behauptung, dass Homosexualität nicht angeboren sei. Dazu verwies sie auf verschiedene Schriften oder interpretierte Aussagen aus der Kontroverse um das sogenannte „Schwulen-Gen“ um. Andere wissenschaftliche Theorien wurden wenig berücksichtigt bzw. heruntergespielt. Unsere Hinweise auf gleichgeschlechtliche Sexualität unter Tieren ließ sie nicht gelten. Gleichzeitig warf sie der Gesellschaft Wissenschaftsfeindlichkeit vor, in welcher die Normalität „tabuisiert“ werden.

Wir verwiesen auf die Streichung der Homosexualität von der Liste der Krankheiten durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Frau Vonholdt drückte ihr Bedauern über diese „unwissenschaftliche Streichung“ aus. Seitdem sei die „Forschung zur Veränderung“ blockiert. Therapeutinnen und Therapeuten, die den Betroffenen helfen wollen, würden verfolgt, „die Therapiefreiheit eingeschränkt“.

Sie unterschlug die vielen Fehlschläge ihrer Bewegung, etwa angeblich geheilte Schwule, die wieder „rückfällig“ werden. So tauchen in den von Frau Dr. Vonholdt ausgelegten Werbematerialien Artikel des US-amerikanischen Ex-Gay-Aktivisten Dr. George Reker auch. Es scheint sie nicht zu stören, dass eben dieser Homoheilungspropagandist mit einem Callboy auf einer Urlaubsreise erwischt wurde.[1] In ihren Materialien wird sich immer noch auf die sogenannte “Spitzer-Studie” bezogen, die die Möglichkeiten Homosexualität umzuerziehen angeblich beweist. Der Verfasser, der Psychiater Robert Spitzer, hat sich jedoch inzwischen von seinen Ergebnissen distanziert, sich für seine Studie entschuldigt und sieht sich von religiösen Fundamentalisten betrogen.[2] Ungeachtet dessen benutzt Frau Dr. Vonholdt derartige Quellen weiterhin. Selbst der besonders homosexuellenfeindliche niederländische Therapeut Gerard J. M. van den Aardweg kommt in ihren Materialien zu Wort - er steht für besonders seelisch-brutale Psychotherapiekonzepte an Homosexuellen.[3]

Frau Vonholdt verlor kein Wort darüber, dass sie innerhalb der Fachwelt isoliert ist und in wissenschaftlichen Einrichtungen nicht erwünscht. Die Bundesregierung lehnt ihre Therapieansätze ebenfalls als gefährlich und unseriös ab. Sie begründet das ausdrücklich mit „Hinweis auf die Ergebnisse neuerer wissenschaftlicher Untersuchungen, nach denen bei der Mehrzahl der so therapierten Personen negative und schädliche Effekte (z.B. Ängste, soziale Isolation, Depressionen bis hin zu Suizidalität) auftreten und die versprochenen Aussichten auf ‚Heilung’ enttäuscht wurden. Stattdessen hätten affirmative Therapien einen nachgewiesenen Nutzen.[4]

Homoheilungsversuche in sächsischen Krankenhäusern?

Erschrocken hat uns, dass die rund 70 Anwesenden die Ansichten von Frau Vonholdt teilen. Außer durch uns gab es keinen Widerspruch. Auch nicht durch anwesende Therapeutinnen und Ärzten aus der Region, die bauen vielmehr offensichtlich sogar Therapiekonzepte darauf auf. In der Pause unterhielt man sich, wie schwierig es sei, Therapien mit heilerischem Ansatz gegenüber Krankenkassen abzurechnen. Ein Therapeut für Suchtkranke aus einem Chemnitzer Krankenhaus bekannte sich offen dazu, „Therapien zur Veränderung homosexueller Gefühle“ anzubieten und durchzuführen. In manchen Fällen müsse er auch tiefenpsychologisch arbeiten. Man schicke Patienten zu ihm, „wenn die anderen Ärzte keinen Rat mehr hätten”. Entsprechende Therapieziele würden einem Patienten bereits im Vorfeld angeboten, wenn klar ist, dass dieser an seinen „unerwünschten homosexuellen Gefühlen” leide. Im Verlauf einer solchen Therapie würde mit dem Patienten in Rollenspielen die Kindheit aufgearbeitet. Wenn der Patient gegen eine „Heilung“ sei, könne er sich ja nach einer anderen Therapie umsehen. Leider sei die genehmigte Aufenthaltsdauer durch die Krankenkassen viel zu kurz, um die eigentliche “Störrung“ zu heilen. Die Abrechnung sei zudem nicht gesichert, so dass man Therapien zur Homosexualität nur anderweitig abrechnen kann. Entweder sind sie sich hier nicht darüber im Klaren oder sie akzeptieren es, dass sie dabei die Krankenhassen betrügen könnten, Entscheidungen der Weltgesundheitsorganisation missachten und die Würde ihrer Patientinnen und Patienten massiv verletzen.

Argumentationsmuster wie in Uganda und Russland

Während des Vortrags mussten wir an die aktuellen Entwicklungen in einigen afrikanischen Staaten wie Uganda denken. Dort legitimieren ähnliche Argumentationsmuster eine zunehmend lebensgefährliche Verfolgung für Homosexuelle und begründen, die teils drastischen Verschärfungen des Strafrechts bis hin zur Todesstrafe. Westliche Evangelikale befeuern vor Ort diesen homophoben Hass. Auch Frau Dr. Vonholdt praktiziert laut Veranstaltungsflyer in Südafrika. Die Offensive Junger Christen ist ebenfalls aktiv in der Entwicklungszusammenarbeit.[5] Unseren Anmerkungen entgegnete Frau Vonholdt, dass ihr Institut gegen die Todesstrafe sei. Die in einigen Staaten bis heute stattfindenden Verfolgungen, Diskriminierungen und Strafandrohungen kommentierte sie dagegen nicht. An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass Frau Dr. Vonholdt ihre Vorträge auch im osteuropäischen Ausland hält und ihre Ansichten dort großen Zuspruch finden. Es sind die gleichen Argumente, die gegenwärtig in osteuropäischen Ländern zu einer Rekriminalisierung von Homosexualität führen.

Frau Dr. Vonholdt erklärt die Entstehung von Homosexualität

Laut Frau Dr. Vonholdts resultieren homosexuelle Gefühle aus Erfahrungen von sexuellem Missbrauch, aus einer Verunsicherung in der geschlechtlichen Identitätsentwicklung oder einer frühkindlichen Bindungsverletzung, insbesondere zum gleichgeschlechtlichen Elternteil. Daher der Rat aus dem Auditorium: „Umarmt Eure Söhne. Wenn ihr eure Söhne nicht umarmt, wird es vielleicht später einmal ein anderer Mann tun“. Denn zwischen dem 5. und 11. Lebensjahr würden sich die Jungen von ihrem Vater, ihrer Männlichkeit, ihrem eigenen Körper und ihren Spielkameraden „abkoppeln“. Diese Bindungsverletzungen zum Vater und der fehlende Anschluss zur Männerwelt führe dazu, dass ein Jugendlicher seine „emotionale Not erotisieren“ würde. „Unter der homosexuellen Sehnsucht verbergen sich ungestillte, emotionale Bedürfnisse, die durch Sex nicht gestillt werden können…“. Dazu zählen unter anderem das „ungestillte Bedürfnis nach ganzheitlicher Identität als Mann und Frau und die Angst vor Nähe und Intimität zu einer Person des anderen Geschlechts“. Bei Lesben würden analog der Bindungsverlust zur Mutter und ein starke Bindung an den Vater Schuld an ihrer Identitätsstörung sein. „Deswegen saugen homosexuelle Frauen an den Brüsten Ihrer Partnerinnen, um die Sehnsucht nach ihrer Mutter zu stillen” – so Frau Dr. Vonholdt wörtlich.

Wie lassen sich homosexuelle Gefühle behandeln?

Frau Dr. Vonholdt kennt Therapeuten, die eine Erfolgschance von 60% bei der “Veränderung von unerwünschter homosexueller Gefühle“ versprechen. Diese Umpolungstherapien helfen Menschen mit „unerwünschten homosexuellen Neigungen”, emotionale Verwundungen aus der Kindheit aufzuarbeiten und so den homosexuellen „Irrweg“ zu verlassen. Nichtsexuelle Freundschaften zum gleichen Geschlecht (selbstverständlich am besten mit Christinnen und Christen) sollen forciert werden und würden beim “Nachreifen der Persönlichkeit” helfen.

Einzige Bedingung: Nur wenn sich Betroffene, ähnlich wie Suchtkranke, auch wirklich helfen lassen möchte, sei die angestrebte Veränderung auf tiefenpsychologischem Wege möglich. Kampfbegriffe, wie schwul und lesbisch, seien Erfindungen aus der Neuzeit. Wenn sich ein Mensch mit homosexuellen Empfindungen durch ein Coming-Out für die „Homo-Lobby“ entscheide, sei eine Heilung nur noch schwer möglich. Bisexuelle Menschen seien aber bereits auf dem halben Weg zu ihrer gänzlichen Heilung. Nach Frau Dr. Vonholdt’s Beurteilung müssen vor allem Jugendliche davor geschützt werden, den vorhandenen homosexuellen Gefühlen nachzugeben und sich womöglich selbstbewusst dafür zu entscheiden. Denn in der Pubertät seien 20% der Jugendlichen noch unschlüssig, während sich ab einem Alter von 20 Jahren nur noch 5% der Jugendlichen zu ihren homosexuellen Gefühlen bekennen würden. Eltern sollen hierbei als Vorbilder dienen und von einem homosexuellen Lebensweg abraten, sowie die Betroffenen auf den von Gott festgelegten Körper hinweisen. Ist das Bekenntnis zum homosexuellen Lebensstil erst einmal gewählt worden, kommen diese Betroffenen nur sehr schwer wieder heraus. Der Charakter dieser Betroffenen ist dann, neben Sexsucht, auch von Langeweile, Unruhe und einer Art von Aggressivität geprägt. Deswegen komme es in derartigen Beziehungen auch zu überdurchschnittlich hoher Gewalt. Gefühle wie Trauer, Zorn und Verletztheit aus den emotionalen Verwundungen der Jugendzeit werden hierdurch verdrängt. Eine Therapie sei dann kaum noch möglich.

Homosexuelle sind sexsüchtig und identitätsgestört

Frau Vonholdt bezog sich auf ihre vorliegenden Studien, um die negativen Folgen von gelebter Homosexualität zu betonen. So seien in einer Beziehung nur etwa 85% bzw. 75% der verheirateten Frauen und Männer aber nur 4,5 %der homosexuellen Männer sexuell treu. Schwule Beziehungen hielten kaum länger als maximal fünf Jahre. Zudem sollen ca. 32,5% der homo- und bisexuellen Jugendlichen missbraucht worden sein, während „nur“ 9,1 % der heterosexuellen Jugendlichen sexuelle Gewalt erlebten. 34,7 % der homosexuellen Jugendlichen aber „nur“ 13,3% der „normalen“ Jugendlichen hätten beim letzten Sexualkontakt Drogen konsumiert. Frau Dr. Vonholdt zitierte auch aus einer dänischen Studie, dass die Selbstmordrate unter Männern in eingetragenen Lebenspartnerschaften achtmal höher sei als unter verheirateten. Das sei ausschließlich auf einen homosexuellen Lebensstil zurückzuführen, der von Drogen und andauerndem Sex geprägt sei. Dieser selbstzerstörerische Lebensstil würde von den inneren psychischen Problemen ablenken.

Dass gesellschaftliche Diskriminierung zu psychischen Problemen unter Homosexuellen führen könnte, schloss sie aus. Vielmehr sind Homosexuelle privilegiert und Ehe und Familie in Gefahr. „Diskriminierung“ sei lediglich ein Kampfbegriff der “Homo-Lobby” um sich nicht den eigenen inneren Problemen zu stellen. Deswegen wäre es so wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, dass eine Veränderung der homosexuellen Neigung hin zur Heterosexualität möglich sei. Die „Homo-Lobby“ wolle jedoch jeden Versuch unterbinden, darüber zu diskutieren.

Auch ein Zuhörer aus dem Publikum wies darauf hin, dass die “Homo-Lobby” versuche, sich als Opfer des Nationalsozialismus „ähnlich wie die Juden“ hinzustellen, um sich jeglicher Kritik zu entziehen. Homosexuelle seien eine mehr privilegierte, denn eine benachteiligte Bevölkerungsgruppe. Als wir vom LSVD Sachsen darauf hinwiesen, dass die Homosexuellenverfolgung nach Kriegsende noch bis 1969 mit der gleichen Gesetzgebung wie unter den Nationalsozialisten weiterging und die 50.000 Verurteilten bis heute nicht rehabilitiert worden sind, verharmloste Frau Dr. Vonholdt die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Zudem bat man uns freundlich, die Veranstaltung nicht zu sprengen.

Fazit

Wir vom LSVD Sachsen wussten im Vorfeld, worauf wir uns mit dem Besuch dieser Veranstaltung einlassen. Die Veranstaltung war ein Paradebeispiel für eine christlich-fundamentalistische Homosexuellenfeindlichkeit, die selbst in Deutschland noch einiges an Einfluss hat und insbesondere für junge verunsicherte Lesben und Schwule gefährliche Folgen haben kann. Man begegnete uns und unseren kritischen Einwänden ausgesprochen höflich. Die Atmosphäre blieb immer sehr freundlich und angenehm. Eine offene Diskussion kam dennoch nicht zustande. Mehrere Teilnehmende kamen auf uns zu und gaben uns den freundlichen Hinweis, dass wir uns bei den anwesenden festen Meinungen auf eine Diskussion gar nicht erst einlassen bräuchten und diese Meinungen akzeptieren müssen.

Einer von uns Dreien, selbst ein bekennender (und homosexueller) Christ, beklagte sich darüber, dass er -neben allen anderen Homosexuellen- in dieser Veranstaltung als sexsüchtig und ausschließlich triebgesteuert hingestellt würde. Er lebt seit über zehn Jahren in einer monogamen Beziehung und sieht sich von seinen Mitbrüdern nach seinem Coming-Out ausgegrenzt. Daraufhin wurde er von den Zuhörenden angegangen. Frau Dr. Vonholdt würde weder über Homosexuelle herziehen noch diese als sexsüchtig bezeichnen. Selbst Frau Dr. Vonholdt wies den Vorwurf zurück.

In der Pause ging man ein früherer Bekannter und christlicher Therapeut noch mal auf ihn zu, um ihn auf erlittenen seelischen Verwundungen hinzuweisen und ihm trotzdem die Freundschaft zu versichern. Der Satz “Wir lieben doch den Sünder, aber hassen die Sünde” durfte nicht fehlen. Als Totschlagargument wird er seit Jahren bei fast jedem Gespräch von der homophob-christlichen Seite benutzt. Allein an diesem Samstag hörten wir ihn viermal.

Mehr Informationen unter

www.mission-aufklaerung.de

Chemnitz: Schwulen-Verband plant Aktionstage

 

Chemnitz. Nach Plänen des Landesverbandes der Lesben und Schwulen in Sachsen soll es am 15. Juni 2013 eine politische Parade durch die Innenstadt von Chemnitz geben. Sie ist Bestandteil des ersten kompletten Christopher Street Days (CSD), der in der Stadt zu erleben sei. Neben der Parade ist eine Veranstaltungsmeile mit Ständen und Bühnen für über 40 mitwirkende Vereine, Organisationen, Verbände und Parteien vorgesehen. Der Protest- und Party-Tag steht dabei unter dem Motto "Homophobie, nein danke!". Der CSD erinnert an den ersten bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen gegen Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Juni 1969.

Freie Presse Chemnitz

Liebe Freundinnen und Freunde,

in Leipzig fand am vergangenen Wochenende die Mitgliederversammlung des LSVD Sachsen statt. Neben der gegenwärtigen politischen Lage, zurückliegenden Veranstaltungen und dem Finanzbericht wurden auch fleißig Pläne für die nächsten Wochen und 2013 geschmiedet. So treffen sich beispielsweise am 22. November Interessierte in den Räumen der AIDS Hilfe Chemnitz, um über den ersten CSD in Chemnitz zu diskutieren. Am 07. Dezember, ebenfalls in Chemnitz, findet die Weihnachtsfeier des LSVD Sachsen statt, zu der wir Euch hiermit herzlich einladen.

Zudem wurde der alte Landesvorstand entlastet und ein neuer und vergrößerter Landesvorstand einstimmig gewählt. Im Landesvorstand Sachsen sitzen nun:

Simon Günther, Tom Haus, René Lang, Lysann Otto, Michel Röhricht, Hartmut Rus

Herzliche Grüße und bis bald

Euer Landesvorstand

LSVD Sachsen

Postfach 01 76

09001 Chemnitz

www.sachsen.lsvd.de

sachsen@lsvd.de

 

 

Der Rainbowflash Sachsen mit Teilnehmerrekord – problematische Tendenzen in Dresden !

Pressemitteilung


18.05.2012

LSVD Sachsen:


Der Rainbowflash Sachsen mit Teilnehmerrekord – problematische Tendenzen in Dresden !

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie setzten am 17. Mai 2012 insgesamt über 1000 Menschen in Dresden, Leipzig und Chemnitz ein starkes Zeichen gegen Gewalt und Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, bi-, inter- und transsexuellen Menschen. Leider gab es Probleme in Dresden. Schwulen und Lesben wurde dort ein Maulkorb verpasst.

Bei dem sogenannten RAINBOWFLASH lassen die Sachsen gemeinsam über Tausend bunte Luftballons mit kleinen Nachrichten gegen Homophobie in den Himmel steigen. Diese vom LSVD Sachsen koordinierte Aktion wird in Zusammenarbeit vieler Partner (s.u.) organisiert.

Der RAINBOWFLASH ist auch ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in den über 70 Ländern, in denen Homosexualität noch immer strafbar ist. In sieben Ländern werden homosexuelle Handlungen sogar mit der Todesstrafe belegt. Auch deswegen findet die Aktion in insgesamt in weit über 80 Städten auf der Welt statt – von Novosibirsk bis New York, von Paris bis Vladivostok, von Peking bis Murmansk teileweise unter schwierigen Bedingungen statt. Und eben in Dresden, Leipzig und Chemnitz!

Probleme in Dresden - Im Vorfeld wurden strenge Auflagen für den Flashmob gestellt. In jeder Stadt wird vor dem Abflug der Ballons eine 5-10 minütige Ansprache gehalten, wo über das Ziel der Veranstaltung informiert und den Unterstützern gedankt wird. Dies wurde in Dresden durch das Ordnungsamt stark eingeschränkt. Mit Megaphonen durften die ca. 400 Teilnehmer in Dresden nur zur Ruhe aufgefordert werden. Begründung: Die Gemeindeveranstaltung in der Hofkirche Dresden und das Programm der Semperoper könnten gestört werden. Gezwungener Maßen mussten wir dieser Auflage der Dresdener Verwaltung zustimmen.

Während der Verteilung der Ballons kamen Vertreter der Hofkirche Dresden auf den LSVD zu und bekräftigten das Redeverbot, damit kein „Krach“ gemacht würde. Kompromisse waren nicht möglich. So konnte auch nicht der Stadt Dresden selbst, mit der Unterstützerin Frau Helma Orosz (CDU) öffentlich gedankt werden. Wir konnten so mit den Schwulen und Lesben in Russland mitfühlen, die ebenfalls einen Maulkorb verpasst bekamen. Von Seiten der Semperoper kamen jedoch nie Beschwerden. Eine politische Veranstaltung wird jedoch mit Reden und Diskussionen verbunden. In Chemnitz und Leipzig stellte dies kein Problem dar.

Nun ist auch genau das eingetreten, was manche rechte Politiker, zuletzt der NPD- Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel, fordern: Schwule und Lesben gehört ein Maulkorb verpasst. Sie passen nicht in die Gesellschaft.

Mit Sorge beobachtet der LSVD Sachsen diese Tendenzen auch im Verwaltungshandeln der Stadt Dresden. Wir beobachten auch genau das Verhalten gegenüber dem CSD Dresden, dessen Veranstaltungswoche vom 26.05. bis 03.06.2012 stattfindet. Wir sehen in dem CSD Dresden eine politische Veranstaltung, die es auch in Zukunft zu schätzen gilt!

Der Landesvorstand des LSVD Sachsen

Tom Haus, Hartmut Rus, Michel Röhricht

Pressemitteilung – Heute findet der Rainbowflash in Leipzig, Chemnitz und Dresden statt!

17.05.2012

 

Ein starkes Zeichen gegen Homophobie, Transphobie und generelle Diskriminierung an Sachsens Himmel!

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie setzen am 17. Mai 2012 Menschen auf dem Theaterplatz in Dresden, auf dem Augustusplatz in Leipzig und am Roten Turm in Chemnitz ein starkes Zeichen gegen Gewalt und Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, bi-, inter- und transsexuellen Menschen.

Bei dem sogenannten RAINBOWFLASH lassen die Sachsen gemeinsam viele hundert bunte Luftballons mit kleinen Nachrichten gegen Homophobie in den Himmel steigen. Mögen Ihre Botschaften an den richtigen Stellen landen! Diese vom LSVD Sachsen koordinierte Aktion wird in Zusammenarbeit vieler Partner organisiert.

Der RAINBOWFLASH ist auch ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in den über 70 Ländern, in denen Homosexualität noch immer strafbar ist. In sieben Ländern werden homosexuelle Handlungen sogar mit der Todesstrafe belegt. Auch deswegen findet die Aktion in insgesamt in weit über 80 Städten auf der Welt statt – von Novosibirsk bis New York, von Paris bis Vladivostok, von Peking bis Murmansk. Und eben in Dresden, Leipzig und Chemnitz!

Der RAINBOWFLASH 2012 läutet außerdem auch die CSD-Saison in Sachsen ein. In Dresden beginnt die CSD Woche (www.csd-dresden.de) bereits am 26.Mai 2012 und endet am 03. Juni 2012. In Leipzig wird es nach dem Flash eine Benefizparty 20 Uhr in der alten Damenhandschuhfabrik geben. Die CSD-Woche Leipzig ist vom 7.- 14 Juli 2012 (www.csd-leipzig.de). Auch in Chemnitz findet am 21.Juli 2012 das TÜDELÜ - Das SchwulLesbischBiHeteroTrans-Parkfest statt. (www.different-people.de). 

Zeit: 17.Mai 2011 – 1/.00 Uhr – Luftballon-Start 19.00 Uhr

Orte in Sachsen:

Dresden: Theaterplatz
Leipzig:  Augustusplatz
Chemnitz:  am Roten Turm

Koordination:
Lesben-und Schwulenverband – Landesverband Sachsen (LSVD Sachsen)


Partner:

CSD Leipzig, CSD Dresden, SPD – Schwusos, DIE LINKE, Dr. Barbara Höll (MdB), Stadt Dresden, Stadt Chemnitz, FDP-Leipzig, linXXnet e.V., Rosalinde Leipzig e.V., Differentpeople e.V. Chemnitz, Gerede e.V. Dresden, Rosa Löwen e.V., BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen, Piratenpartei Sachsen, Aids Hilfe Chemnitz, Aidshilfe Leipzig, RAA Sachsen, Initiative 2=2, Ponyclub Leipzig, Gegenpol, Frauenkultur / Kulturfabrik Leipzig

 

Stellungnahme zur Presseerklärung der CDU Vogtland zu den Äußerungen von Dieter Blechschmidt

Eine halbherzige Entschuldigung bei Homosexuellen – Eine große Entschuldigung für die CDU! (05.05.2012)

Die  CDU Vogtland versucht die Menschen zum Narren zu halten. Während einzelne CDU-Mitglieder sich „privat“/versteckt klar von den fragwürdigen Weltanschauungen zu Schwulen und Lesben distanzieren, versucht sich der Kreisvorstand Vogtland mit schwammigen Formulierungen aus der Affäre zu stehlen und geißelt Kritik an homohoben Einstellungen Ihrer Mitglieder als „Intoleranz“.

Herr Blechschmidt „bedauere es, dass [seine] persönliche Äußerung als CDU- Meinung öffentlich wahrgenommen“ wurde. Dadurch sei sie „zu einem schweren Fehler, der die CDU-Vogtland zu Unrecht in ein falsches Licht gerückt hat“, geworden.

Im Schlussteil werden missverständliche, unterschwellige Andeutungen gemacht, die Herrn Blechschmidt in eine Opferrolle pressen. Die Kritik der breiten Öffentlichkeit zu den unmöglichen Äußerungen von Herrn Blechschmidt wird so als „Intoleranz“ ihm gegenüber in den Raum gestellt.

Herr Blechschmidt steht offenbar weiterhin zu seiner Meinung von den „kranken“ Homosexuellen, die geheilt werden können. Es entsteht bei uns der Eindruck, als entschuldige er sich mehr bei seiner Partei als bei den Homosexuellen sowie deren Freunden und Familien. Das Ruhen des „Amtes als Fraktionssprecher der CDU-Stadtratsfraktion bis zum Ablauf der Legislatur“ als Pseudobuße und seine Entschuldigung werden durch die offenbarte Fehleinsicht wertlos gemacht.

Durch diese Form der „Reue“ wird er weiterhin als standhafter „Kommunalpolitiker“ von den  Rechtradikalen und religiösen Fanatikern (bspw. Kreuz.net) gelobpreist werden. Die NPD schrieb zu dieser Thematik auf ihrer Homepage: „Die Fälle Hähner, Drechsler und Blechschmidt zeigen auf erfreuliche Weise, daß zumindest ‘bürgerliche’ Kommunalpolitiker noch dem gesunden Werteempfinden der großen Volksmehrheit verbunden sind.“

Jeder vernunftbegabte Kommunalpolitiker hätte bei einer Bewertung seiner Äußerungen nach „gesundem Volksempfinden“ den Rücktritt von seinen Ämtern eingereicht.

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie veranstaltet der LSVD Sachsen am 17. Mai 2012 Rainbowflashs in verschiedenen Städten Sachsens als starke Zeichen gegen Gewalt und Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, bi-, inter- und transsexuellen Menschen. Herr Blechschmidt ist dazu recht herzlich eingeladen. Das Angebot zum Gespräch steht weiterhin.

 

Michel Röhricht

Tom Haus

Hartmut Rus

Landesvorstand des LSVD Sachsen

PDF

 

LSVD Sachsen zur Blechschmidt-Affäre:

Folgender Artikel-Ausschnitt aus der DAPD nach einen Interview mit Landesvorstandsmitglied Hartmut Rus fasst unseren Standtpunkt zusammen. 

""Homophobie ist heilbar, aber nicht Homosexualität", sagte Hartmut Rus, Vorstandsmitglied des sächsischen Lesben- und Schwulenverbandes, zu den Äußerungen Blechschmidts. Es sei "absolut hinterwäldlerisch, wenn Homosexualität als Krankheit aufgefasst wird". Rus lud den CDU-Politiker zu einem Treffen mit Schwulen und Lesben ein. „Herr Blechschmidt kann gern einmal bei uns vorbei schauen, um sich in Toleranz zu üben“. Zudem solle sich der CDU-Politiker etwas einfallen lassen, wie der Imageschaden von Plauen behoben werden könne, den die diffamierenden Äußerungen angerichtet hätten. Es sei schade, dass eine Stadt von solchen Leuten ins schlechte Licht gerückt würde, sagte Rus, der aus Plauen stammt, inzwischen aber in einer anderen Stadt als Volkswirt arbeitet. „Die Plauener CDU sollte überlegen, ob sie solch einen Menschen als Pressesprecher weiter haben will“, sagte er weiter." (DAPD)

aus: http://www.tagesspiegel.de/politik/verbalattacke-auf-aussenminister-westerwelle-cdu-kommunalpolitiker-diffamiert-schwule/6576628.html

Weiterer Artikel:

Lesben- und Schwulenverband will Plauener CDU-Politiker aufklären

01.05.2012 dapd

Wenn die Pfarrerin lesbisch ist …“

Sächsische Evangelische tun es sich schwer

Mit dem Beschluss der EKD zu einem einheitlichen Pfarrdienstgesetz vom November 2010 können verpartnerte Pfarrerinnen und Pfarrer wie ihre heterosexuell verheirateten Kollegen im Pfarrhaus zusammenleben. Über die Umsetzung dieses Gesetzes kann jedoch jede Landeskirche selbst entscheiden. So haben etwa die Kirchen in Mitteldeutschland und Bayern vor rund einem Jahr homosexuellen Pfarrerinnen und Pfarrern erlaubt, mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern im Pfarrhaus zu wohnen.

In Sachsen erhitzen homosexuelle Partnerschaften die Gemüter evangelischer Gemeinden dennoch weiterhin. So auch der Beschluss vom 21. Januar 2012 der Leitung der evangelisch-lutherischen Kirche Sachsen vom vergangenen Wochenende. Darin wird homosexuellen Pfarrern und Pfarrerinnen erlaubt mit Lebenspartner im Pfarrhaus zu wohnen, allerdings nur, wenn der Kirchenvorstand einverstanden ist.

Welche Kirchenvorstände werden in Sachsen zustimmen? Vielleicht geht das in Leipzig oder Dresden, aber im Erzgebirge oder im Zittauer Gebirge sieht das anders aus. Dort haben sehr konservative und evangelikale Strömungen das Zepter in der Hand und beten sogar gegen Homosexuelle im Pfarrhaus.

Die Kirchenleitung Sachsen schreibt, mit dieser Entscheidung sollen die „Regeln im Umgang mit homosexueller Prägung von Amtsträgern und Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst“ zwar so fortgeschrieben werden, dass ihnen das Zusammenleben mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern im Pfarrhaus gestattet ist. Das gilt allerdings nur, wenn sie in einer Eingetragenen Partnerschaft leben und die einmütige Zustimmung des Kirchenvorstandes vorliegt. Gleichzeitig bekräftigt die Kirchenleitung „die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Mann und Frau“.

Der Beschluss ist kein Fortschritt, sondern ein fauler Kompromiss. Der LSVD Sachsen vermutet, dass sich die Mehrheit der Vernünftigen davor scheut, sich mit der lautstarken Minderheit homophober Fundamentalisten anzulegen. Der Beschluss soll Toleranz signalisieren, er ändert aber nichts an der Lebensrealität homosexueller Pfarrerinnen und Pfarrer. Diese sind weiterhin abhängig von der Gnade ihres Kirchenvorstands.

Und was soll die scheinheilige Bezugnahme auf die Eingetragene Lebenspartnerschaft? Hier wird ja gerade so getan, als erkenne die Landeskirche Eingetragene Lebenspartnerschaften an. Tatsächlich aber verweigern die Gemeinden den Paaren weiterhin ihren Segen. Wir fordern den Landesbischof Jochen Bohl auf, diesen Widerspruch aufzulösen.

Sächsische Evangelische tun sich schwer mit Homosexualität: Im Vorfeld traten die zutiefst konträren Auffassungen zu Tage. So sprachen sich mit dem offenen Brief „Auch unter Christen – Liebe zum gleichen Geschlecht“ des Kirchenbezirks Leipziger Land 124 Pfarrerinnen und Pfarrer dafür aus, dass allen die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft offensteht und niemand die eigene Sexualität verstecken muss. Zugleich wünschen sie sich, „dass unsere Kirche homosexuelle Paare in eingetragener Lebenspartnerschaft ausdrücklich einlädt, für ihr gemeinsames Leben den Segen Gottes zu erbitten und dass eine entsprechende liturgische Ordnung erarbeitet und eingeführt wird“. Darüber hinaus erinnern sie an den historischen Umgang der Kirche mit Homosexuellen, der „nicht unwesentlich eine Schuldgeschichte ist“ und bislang nur zögerlich aufgearbeitet wurde. Sie reagierten damit auf die sogenannte „Markersbacher Erklärung“, mit der cirka 128 Kirchenvorstände und damit rund ein Sechstel aller sächsischen Gemeinden das Festhalten an der ursprünglichen Regelung gefordert hatten und den Verlust ihrer „geistigen Heimat“ befürchteten. Nach dem Beschluss haben sie ihren Unterstützungsaufruf bis zur Frühjahrssynode 2012 verlängert.

Landesbischof Jochen Bohl sagte gegenüber Medien, er hoffe, dass dieser Beschluss von „den Christinnen und Christen in den Kirchgemeinden unserer Landeskirche (…) mitgetragen wird“ und so die Einheit der Landeskirche gesichert ist. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

Tom Haus

LSVD Sachsen & LSVD-Stammtisch Chemnitz

 

Do, 26. Januar 2012

 

 

  

 

Foto: dapd
Kritik an Landeskirchen-Beschluss zu Homosexuellen
Lesben- und Schwulenverband nennt Entscheidung "faulen Kompromiss"
Leipzig (dapd-lsc). Der Beschluss der evangelischen Kirche Sachsens zum Umgang mit Homosexuellen stößt auf Kritik. "Das ist kein Fortschritt, sondern ein fauler Kompromiss", sagte der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands Sachsen (LSVD), Hartmut Rus, am Dienstag der Nachrichtenagentur dapd. Damit würde nur eine "schon lange inoffizielle, heimliche Lösung offiziell gemacht", die für homosexuelle Pfarrer kaum etwas ändere.
Am Wochenende hatte die Leitung der evangelisch-lutherischen Landeskirche beschlossen, dass homosexuelle Pfarrer künftig mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen. Voraussetzung ist aber, dass der Kirchenvorstand der jeweiligen Gemeinde zustimmt und der Pfarrer mit seinem Partner bereits in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt.
Rus kritisierte, der Kompromiss messe mit zweierlei Maß und betone eine "heterosexuelle Leitkultur". So erkenne die Landeskirche mit dem Kompromiss zwar bürokratisch das Konstrukt der eingetragenen Lebenspartnerschaft an, verbiete aber weiterhin die öffentliche Segnung und Verheiratung Homosexueller. Diesen Widerspruch, dass homosexuelle Pfarrer zwar rechtlich im Pfarrhaus leben dürften, aber nicht den Segen ihrer Kirche hätten, müsse Landesbischof Jochen Bohl sofort auflösen, forderte er.
Dessen Kompromiss sei "schwammig, weil er sich nicht anlegen wollte mit der lautstarken Minderheit homophober Fundamentalisten in der Landeskirche", sagte Rus weiter.
Im Vorjahr hatte die Evangelische Kirche Deutschland im Pfarrdienstgesetz festgeschrieben, dass Pfarrhäuser auch für homosexuelle Partnerschaften geöffnet werden sollen. Über die Umsetzung dieses Gesetzes kann jede Landeskirche selbst entscheiden. Im Vorfeld der nun getroffenen Entscheidung hatten 121 der 776 sächsischen Kirchengemeinden die Öffnung als "unbiblisch" kritisiert und mit der Spaltung der Landeskirche gedroht.
dapd
 
erschienen am 24.01.2012
Homosexuellen-Verband begrüßt Urteil zu Bischofswerda-Wahl

LSVD-Sprecher: Sexuelle Orientierung sollte Privatsache sein

Bischofswerda (dapd-lsc). Der Lesben- und Schwulenverband Sachsen (LSVD) hat die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts zur Bürgermeisterwahl in Bischofswerda begrüßt. "Das waren unlautere Mittel der Diskriminierung", sagte LSVD-Sprecher Tom Haus am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd. Die sexuelle Orientierung sollte Privatsache sein. Der Fall zeige, dass es in Sachsen noch viel gegen Diskriminierung zu tun gebe.

Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hatte am Dienstag die Oberbürgermeisterwahl vom Februar 2010 für ungültig erklärt und dies mit gesetzwidriger Wahlbeeinflussung begründet. Vor der Wahl waren Flugblätter aufgetaucht, in denen der Herausforderer des langjährigen CDU-Bürgermeisters Andreas Erler, der SPD-Politiker Jens Krauße, als homosexuell bezeichnet worden war.

Ziel der Aktion war es nach Überzeugung des Gerichts, "Wähler mit Vorbehalten gegen Homosexualität zu veranlassen, den Gegenkandidaten nicht zu wählen". Krauße ist seit 2001 Bürgermeister der Gemeinde Großharthau, verheiratet und Vater eines Sohnes.

CDU-Mann Erler wurde bei der Wahl knapp bestätigt. Das Gericht stellte fest, angesichts des knappen Wahlausgangs sei es ohne weiteres möglich gewesen, dass ohne die unzulässige Wahlbeeinflussung der Gegenkandidat gewählt worden wäre. Bereits bei einer ersten Wahl im Jahr 2008 hatte ein Gericht eine unzulässige Wahlbeeinflussung festgestellt. Erler hatte damals angekündigt, bei seiner Wiederwahl "für jede erhaltene Stimme einen Euro für die Vereine unserer Stadt" zu spenden.

dapd

 
erschienen am 07.12.2011

 

Pressemitteilung vom 14.11.2011

Etappensieg für die Gleichstellung von LGBTI in Sachsen – langjährige Strategie des LSVD zeigt Erfolge!

als PDF
Das sächsische "Landesamt für Finanzen und Steuern" in Dresden gewährt inzwischen verpartnerten Beamtinnen und Beamten den Familienzuschlag der Stufe 1, wenn Sie einen entsprechenden Antrag stellen.  

Dazu erklärt Tom Haus, Sprecher des LSVD-Sachsen:

Das Landesamt hat offenbar vom sächsischen Finanzministerium eine entsprechende Weisung erhalten. Diese Neuerungen wurden dem LSVD Sachsen vor Monaten in einem Brief seitens des sächsischen Finanzministeriums angekündigt.

Dies ist ein wichtiger Etappensieg für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen im öffentlichen Dienst in Sachsen. Die langfristige Strategie des LSVD in Sachsen, betroffene Landesbedienstete zur Klage zu ermutigen und sie auf diesem Weg zu begleiten, hat sich bezahlt gemacht. Diese Klagen haben die Politik unter Zugzwang gesetzt, die Diskriminierungen im Dienstrecht zurückzufahren. Leider geschieht dies nicht rückwirkend bis zum Jahre 2003. Da haken wir aber noch nach.

Dieses Beispiel zeigt uns, dass Ausdauer und Mut der Betroffenen sich langfristig auch finanziell auszahlen. Der LSVD bedankt sich an dieser Stelle bei Klagenden, die diesen Erfolg erst ermöglichten. Wir freuen uns über jegliche Initiativen, die sich ebenfalls für die Gleichstellung von LGBTI in Sachsen einsetzen.

Nur gemeinsam sind wir stark!

Weitere Informationen finden Sie unter: www.lsvd.de/230.0.html (Abschnitt  9.)

Die Gleichstellungsgesetze finden Sie hier: www.lsvd.de/423.0.html

Übersicht über die Gleichstellung im Beamtenrecht: www.lsvd.de/194.0.html

 

CSD Veranstaltungen in Sachsen

Treffen und diskutieren Sie mit uns!

Auch 2011 sind wir mit Ständen bei den sächsischen CSDs vertreten. Hier kann wieder mit uns persönlicher Kontakt aufgenommen werden.

09.07.2011 Sa 15:00 CSD Leipzig Straßenfest auf Nikolaikirchhof

Weitere Infos für :

Leipzig

 

Interview mit LSVD Sachsen in bundesweiter Radio-Sendung

»Wosch. Die ENERGY Abendschau« 06.06.2011

http://www.energy.de/on-air/wosch-energy-abendschau/

Bundesweites Interview mit Hartmut Rus zum Thema Homo-Homöopathie und die abstrusen Empfehlungen des Bundes katholischer Ärzte sowie einzelner Fachverbände des diakonischen Werkes der EKD zur Umpolung Homosexueller.

MP3: http://www.mission-aufklaerung.de/fileadmin/dateien/MP3/Interview_Hartmut_Rus.mp3

Mehr Infos auf www.mission-aufklaerung.de

 

 

Pressemitteilung zum Rainbowflash 2011 in Sachsen

 

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie setzten am 17. Mai 2011 über 400 Menschen auf dem Theaterplatz in Dresden, auf dem Nikolaikirchhof in Leipzig und dem Rathausplatz in Chemnitz ein starkes Zeichen gegen Gewalt und Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, bi-, inter- und transsexuellen Menschen.

 

Beim RAINBOWFLASH stiegen in Sachsen  rund 700 bunte Luftballons mit kleinen Nachrichten gegen Homophobie in den Himmel.

 

Noch immer mangelt es auch in Sachsen im Alltag häufig an Toleranz und Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Menschen. Der Kampf dagegen erfordert viel Kraft - und kann nur gelingen, wenn sich homo- und heterosexuelle Menschen gemeinsam dafür im Alltag einsetzen - im Sportverein, in den Schulen, in den Kirchen,  im Berufsleben und in der Familie. Sachsen ist in punkto Antidiskriminierungspolitik mittlerweile Schlusslicht in Deutschland, selbst Bayern ist schon weiter. Um der Homophobie den Nährboden zu entziehen, muss das Verständnis für unterschiedliche sexuelle Identitäten bereits bei Kindern und Jugendlichen geweckt werden. Nur so wird verhindert, dass sie später Homo-, Bi-, oder Transsexuelle als fremd und andersartig empfinden.

 

Der RAINBOWFLASH ist auch ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in den über 70 Ländern, in denen Homosexualität noch immer strafbar ist. In sieben Ländern werden homosexuelle Handlungen sogar mit der Todesstrafe belegt. Auch deswegen findet die Aktion insgesamt in weit über 60 Städten auf der Welt statt - von Novosibirsk bis New York, von Paris bis Wladivostok, von Peking bis Murmansk. Und eben in Chemnitz, Dresden und Leipzig!

 

Der Rainbowflash 2011 in Sachsen wurde in Zusammenarbeit vieler Partner und öffentlicher Träger organisiert.

 

Koordination:

Lesben-und Schwulenverband - Landesverband Sachsen (LSVD Sachsen) www.sachsen.lsvd.de

different people e.V. Chemnitz  www.different-people.de

Rosalinde e.V. Leipzig www.rosalinde.de

Gerede e.V. Dresden  www.gerede-dresden.de

Aidshilfe Chemnitz www.chemnitz.aidshilfe.de

als weitere Unterstützer:

Stadt Chemnitz

Die Linke

Bündnis 90´/Die Grünen

SPD und Schwusos

RAA Sachsen

u.v.a.

 

Bilder und Videos aus Sachsen:

 

http://www.lattemio.de/stories/rainbowflash-und-kiss-in-da-staunt-der-leipziger/#more-2140

http://www.facebook.com/home.php?sk=group_193608040681847

http://www.dresden-fernsehen.de/default.aspx?ID=12209&showNews=968348&newVideo=0

http://www.dresdeneins.tv/nachrichten/RainbowFlash-1016.html

http://www.youtube.com/watch?v=Utw14EcmaJU

http://www.gegen-homophobie.blogspot.com/

 

 

 

 


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